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5 Mythen und Irrglauben rund um Kampfhunde aufgeklärt

    Zeichnung Dobermann im Feld sitzend

    Um den Kampfhund ranken sich viele Geschichten. Doch viele davon basieren eher auf Mythen und Irrglauben, als auf tatsächlichen Fakten. Daher will ich hier einmal mit den häufigsten Mythen und Irrglauben rund um „Kampfhunde“ aufräumen.

    Was genau ist eigentlich ein Kampfhund?

    Wenn man über Kampfhunde spricht, bewegt man sich schnell auf einem Feld voller Missverständnisse und Vorurteile.

    Der Begriff „Kampfhund“ ist eigentlich irreführend, denn er impliziert, dass bestimmte Hunderassen von Natur aus aggressiv und gefährlich sind.

    In Wirklichkeit gibt es keine „Kampfhunde“ im Sinne einer speziellen Hunderasse, die ausschließlich zum Kämpfen gezüchtet wurde.

    Historisch gesehen wurden einige Hunderassen tatsächlich für Kämpfe oder zur Jagd auf große Tiere gezüchtet. Dazu gehören beispielsweise der American Staffordshire Terrier, der Staffordshire Bullterrier und der Pitbull Terrier.

    Diese Rassen besitzen eine hohe Schmerztoleranz, sind körperlich sehr robust und zeigen oft eine große Loyalität gegenüber ihren Menschen. Aber das macht sie nicht automatisch zu einer Gefahr.

    In vielen Ländern hat der Begriff „Kampfhund“ eher eine rechtliche als eine biologische Bedeutung.

    Er wird verwendet, um bestimmte Hunderassen zu beschreiben, die aufgrund ihrer physischen Merkmale und der angenommenen Aggressivität in einigen Regionen strengeren Regulierungen unterliegen.

    Diese Regulierungen können von Maulkorbpflicht bis hin zu Zucht- und Halteverboten reichen.

    Diese Mythen und Irrglauben gibt es bei Kampfhunden

    Mythos 1: Die Rasse zeigt wie gefährlich ein Hund ist

    Das Thema der sogenannten „Kampfhunde“ und der damit verbundene Mythos, dass die Rasse eines Hundes bestimmt, wie gefährlich er ist, ist ein kontroverses und oft missverstandenes Thema.

    Diese Annahme wird durch die staatliche Regelung der „Listenhunde“ verstärkt, bei der bestimmte Hunderassen als potenziell gefährlich eingestuft werden.

    Aber hält diese Ansicht einer genaueren Betrachtung stand?

    Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass die Rasse eines Hundes hauptsächlich sein Temperament beeinflusst.

    Wachhunde beispielsweise sind aufgrund ihrer Zuchtgeschichte oft reservierter und misstrauischer gegenüber Fremden. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie von Natur aus gefährlich sind.

    Border Collies sind Hütehunde und leben diesen Hütedrang oft bei kleinen Kindern aus, indem sie nach diesen Schnappen. Da hier aber keine ernsthafte Verletzungen entstehen, wird dieser Rasse keine Kampfhundeeigenschaften nachgesagt.

    Jeder Hund, unabhängig von seiner Rasse, kann mit der richtigen Erziehung und einem liebevollen Umgang zu einem ungefährlichen und freundlichen Haustier werden.

    In Bezug auf Bissstatistiken stimmt es jedoch, dass bestimmte als „Kampfhunde“ bezeichnete Rassen häufiger vertreten sind.

    Aber hier ist Vorsicht geboten bei der Interpretation dieser Zahlen. Oft liegt die Ursache für aggressives Verhalten weniger in der Rasse selbst, sondern vielmehr in den Umständen, in denen der Hund gehalten wird.

    Viele dieser Hunde leben in schwierigen Verhältnissen, manche werden sogar für illegale Hundekämpfe missbraucht. In solchen Situationen können Hunde unzureichend sozialisiert oder erzogen werden und sich daher aggressiver verhalten.

    Daher ist es ja auch möglich, dass Hunde aus diesen Rassen, die in einem liebevollen und förderlichen Umfeld aufwachsen, oft genauso liebevolle und treue Begleiter sind wie Hunde jeder anderen Rasse.

    Die Erziehung, das Umfeld und die Art und Weise, wie ein Hund behandelt wird, spielen eine viel größere Rolle für sein Verhalten als seine genetische Herkunft.

    Daher lässt sich sagen, dass die Rasse eines Hundes nicht automatisch über sein Gefahrenpotenzial entscheidet.

    Während bestimmte Rassen aufgrund ihrer physischen Eigenschaften und ihres Temperaments spezielle Ansprüche an ihre Haltung und Erziehung stellen, ist es vor allem die Verantwortung des Halters, für eine angemessene Sozialisierung und Erziehung zu sorgen.

    Malinois Zeichnung

    Mythos 2: Die Bisskraft zeigt wie gefährlich ein Hund ist

    Im Zusammenhang mit der Diskussion über „Kampfhunde“ und gefährliche Hunderassen taucht oft das Thema Bisskraft auf. Viele Leute denken, dass ein Hund umso gefährlicher ist, je stärker er zubeißen kann. Aber ist das wirklich so?

    Zuerst einmal: Was ist eigentlich Bisskraft? Die Bisskraft eines Hundes wird in Newton gemessen und gibt an, wie viel Druck seine Kiefer beim Zubeißen ausüben können.

    Interessanterweise gehören einige der Hunde, die als die stärksten Beißer gelten, zu den beliebtesten Familienhunden. Zum Beispiel hat der Husky eine höhere Bisskraft als der Deutsche Boxer.

    Auch Labrador Retriever und Deutsche Schäferhunde, oft als treue und kinderfreundliche Begleiter angesehen, verfügen über eine beeindruckende Bisskraft.

    Aber bedeutet eine hohe Bisskraft automatisch, dass ein Hund gefährlicher ist? Hier müssen wir genauer hinsehen.

    Bisskraft ist tatsächlich nur ein Maß für die physische Fähigkeit eines Hundes, Druck auszuüben. Sie sagt nichts darüber aus, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Hund beißt, oder wie aggressiv er ist.

    Viele Hunde mit hoher Bisskraft sind in Wirklichkeit sanftmütig und gutmütig. Es kommt viel mehr auf die Erziehung, das Umfeld und die individuelle Persönlichkeit des Hundes an.

    Betrachten wir zum Beispiel Labrador Retriever. Sie sind für ihre freundliche und geduldige Natur bekannt und gelten als ideale Familienhunde. Trotz ihrer starken Kiefermuskulatur sind Labradore normalerweise nicht aggressiv.

    Ähnlich verhält es sich mit Deutschen Schäferhunden, die oft als Arbeits- und Diensthunde eingesetzt werden. Sie sind intelligent, loyal und gut trainierbar, was sie zu wertvollen Partnern in vielen Bereichen macht.

    Die Vorstellung, dass ein Hund mit starker Bisskraft automatisch gefährlich ist, ist also ein Mythos.

    Mythos 3: Rasselisten helfen, dich vor gefährlichen Hunden zu schützen

    Die Debatte um sogenannte „Kampfhunde“ und die Wirksamkeit von Rasselisten zum Schutz vor gefährlichen Hunden ist ein komplexes und emotionales Thema.

    Diese Listen führen bestimmte Hunderassen auf, die in manchen Bundesländern als potenziell gefährlich eingestuft werden, und unterwerfen sie besonderen Auflagen wie erhöhter Hundesteuer, Leinen- oder Maulkorbpflicht. Doch inwiefern tragen diese Maßnahmen tatsächlich zur Sicherheit bei?

    Ein Hauptproblem dieser Rasselisten ist, dass sie oft nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Verhalten von Hunden basieren, sondern auf Vorurteilen und einem gesellschaftlichen Bild, das bestimmte Hunderassen als inhärent gefährlich darstellt.

    Die Folgen solcher Auflagen können paradoxerweise das Gegenteil von dem bewirken, was sie zu erreichen versuchen.

    Nehmen wir die Maulkorb- und Leinenpflicht als Beispiel. Diese Einschränkungen erschweren es, den Hund angemessen zu sozialisieren.

    Ein Hund, der ständig an der Leine gehalten wird und keinen freien Kontakt zu anderen Hunden hat, lernt nicht, wie man sich in verschiedenen sozialen Situationen verhält. Das kann zu Unsicherheit und Angst führen, was wiederum das Risiko aggressiven Verhaltens erhöhen kann.

    Ein weiteres Problem ist die gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Hunde. Die Stigmatisierung bestimmter Rassen als „Kampfhunde“ führt dazu, dass andere Hundebesitzer dazu neigen, ihre Hunde von ihnen fernzuhalten, was die soziale Isolation dieser Tiere weiter verstärkt.

    Diese Art von Segregation schadet sowohl den betroffenen Hunden als auch ihren Haltern und fördert Missverständnisse und Vorurteile.

    Hinzu kommt, dass Hunde, die aufgrund ihrer Rasse als „Kampfhunde“ gelten, oft schneller als Problemhunde abgestempelt und in Tierheime abgegeben werden.

    Dies kann zu einer negativen Spirale führen, in der die Hunde aufgrund der Umstände, unter denen sie gehalten werden, und nicht wegen ihrer genetischen Veranlagung, tatsächlich problematisches Verhalten entwickeln.

    Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass die Rasselisten und die damit verbundenen Auflagen nicht nur wenig effektiv sind, um die Sicherheit zu erhöhen, sondern auch unbeabsichtigte negative Konsequenzen haben.

    Sie erschweren die Sozialisation und Erziehung der Hunde und tragen zu einer gesellschaftlichen Stigmatisierung bei, die sowohl den Hunden als auch ihren Besitzern schadet.

    Eine effektivere Strategie wäre, sich auf verantwortungsvolle Hundehaltung, angemessene Sozialisation und Erziehung zu konzentrieren, unabhängig von der Rasse des Hundes.

    Mann läuft mit Boxer Hund durch Park

    Mythos 4: Kampfhunde vertragen sich nicht mit anderen Haustieren

    Das Thema „Kampfhunde und ihre Verträglichkeit mit anderen Tieren“ ist wirklich ein heißes Eisen und mit vielen Vorurteilen behaftet.

    Die Annahme, dass Kampfhunde grundsätzlich aggressiver sind und sich nicht mit anderen Tieren vertragen, ist schlichtweg falsch.

    Viele Hundebesitzer, die sogenannte Kampfhunde halten, berichten von positiven Erfahrungen im Zusammenleben mit anderen Tieren.

    Der Schlüssel hierbei ist, die Erziehung und das Setzen von klaren Grenzen und RegelnJeder Hund, egal ob Kampfhund oder nicht, muss lernen, wie er sich in der Gesellschaft anderer Tiere zu verhalten hat.

    Hunde sind von Natur aus soziale Wesen und können lernen, friedlich mit anderen Tieren zusammenzuleben. Das erfordert natürlich Geduld, Konsequenz und ein gutes Verständnis für das Verhalten deines Hundes.

    Ein weiterer Punkt ist der Jagdtrieb. Manche Hunde haben einen stärkeren Jagdtrieb als andere, aber auch hier ist das nicht abhängig davon, ob der Hund als Kampfhund eingestuft ist.

    Gerade wenn du Hasen oder Meerschweinchen hältst, wecken diese Tiere oft genau diesen Jagdtrieb in deinem Hund.

    Ein Beagle oder Dackel kann aber genauso einen ausgeprägten Jagdtrieb haben wie ein sogenannter Kampfhund. Es kommt viel mehr darauf an, wie du als Besitzer mit diesem Trieb umgehst und deinen Hund steuerst.

    Wenn du deinem Hund beibringst, Kommandos zu folgen und in kritischen Situationen auf dich zu hören, kannst du viele Probleme vermeiden und ein Zusammenleben mit anderen Haustieren ist ohne Probleme möglich.

    Mythos 5: Kampfhunde können ohne Vorwarnung einfach angreifen

    Viele Leute denken, Kampfhunde seien unberechenbar und könnten aus heiterem Himmel angreifen.

    Aber lass uns mal ehrlich sein: Das ist ein riesiger Mythos. Hunde, egal welche Rasse, kommunizieren ständig mit ihrer Körpersprache. Sie zeigen uns, ob sie sich wohl fühlen oder nicht.

    Es ist wie bei uns Menschen: Wenn jemand die Arme verschränkt und die Stirn runzelt, weißt du, dass er gerade nicht in Plauderstimmung ist, oder?

    Also, zurück zu den sogenannten Kampfhunden. Ja, es gibt Rassen, die früher fürs Kämpfen gezüchtet wurden. Aber das bedeutet nicht, dass sie Zeitbomben sind. Sie geben genauso Signale wie jeder andere Hund auch.

    Wenn ein Hund seine Ohren anlegt, die Körperhaltung versteift oder die Zähne zeigt, sagt er im Grunde: „Hey, ich bin gerade nicht so gut drauf. Lass mich bitte in Ruhe.“ Und das sollte man ernst nehmen!

    Das Problem ist oft, dass wir Menschen diese Signale entweder nicht erkennen oder ignorieren. Stell dir vor, du bist in einer schlechten Stimmung und jemand kommt und klopft dir dauernd auf die Schulter.

    Irgendwann würdest du wahrscheinlich auch sagen: „Lass das!“ Bei Hunden ist es nicht anders. Wenn ein Hund dir zeigt, dass er seine Ruhe haben möchte, und du gehst trotzdem auf ihn zu, um ihn zu streicheln, dann überschreitest du eine Grenze.

    Wenn der Hund dann reagiert, um sich zu verteidigen, liegt das nicht in seiner Natur als „Kampfhund“, sondern daran, dass sein Signal nicht respektiert wurde.