Zum Inhalt springen
Home » Erziehung & Verhalten » Freilaufender Hund kommt auf dich und deinen Hund zu – Was tun?

Freilaufender Hund kommt auf dich und deinen Hund zu – Was tun?

    Freilaufender Schäferhund im Park

    Stell dir vor, du bist mit deinem Hund auf einem Spaziergang, die Sonne scheint, alles ist friedlich. Plötzlich siehst du einen freilaufenden Hund auf euch zukommen. Was nun?

    Wir schauen uns an, wie du dich in so einer Situation richtig verhältst und die Situation geschickt deeskalieren kannst.

    Das solltest du tun wenn ein freilaufender Hund ohne Herrchen auf dich zukommt

    1. Beobachte den anderen Hund & bleibe ruhig

    Zuerst einmal, bleib ruhig. Ich weiß, das klingt einfacher gesagt als getan, aber deine Ruhe überträgt sich auf deinen Hund. Freilaufende Hunde sind genau der Grund, warum du immer aufmerksam sein solltest. Je früher du den Hund bemerkst, desto besser kannst du reagieren.

    Jetzt beobachte genau die Körpersprache des näherkommenden Hundes. Ein freundlicher Hund zeigt sich oft durch eine lockere, fast hüpfende Körperhaltung, entspannte Ohren und Gesicht, offenes Maul (er hechelt) und einen entspannten Schwanz, der in einer Art „Ganzkörperwedeln“ schwingt.

    Aber selbst wenn der Hund freundlich scheint, ist es besser in der Regel besser, eine direkte Begegnung zu vermeiden.

    Für Hundebesitzer, deren Vierbeiner auf andere Hunde reaktiv oder ängstlich reagieren, kann ein „freundlicher“ fremder Hund zum Alptraum werden.

    Auch freundliche Hunde können unfreundlich reagieren, wenn dein Hund defensiv wird. Und wer weiß schon, ob der fremde Hund geimpft ist oder ansteckende Krankheiten hat. Bei diesen Hunden ist es oft leichter, sie mit Kommandos, Körpereinsatz oder durch Wegwerfen von Leckerlis von euch wegzulocken.

    Ein Hund, der sich intensiver nähert, mit einer Körpersprache, die Starrblick, geschlossenes Maul, nach vorne gerichtete Ohren, einen hoch und straff wedelnden Schwanz, Steifheit und Schleichbewegungen umfasst, ist besorgniserregender.

    Diese intensive Körpersprache deutet darauf hin, dass der Hund hyperfokussiert auf deinen Hund ist und ihn möglicherweise als Bedrohung oder Beute ansieht.

    Hund wird an Halsband geführt

    2. Versuche Distanz zwischen dich und den anderen Hund zu bringen

    Zuerst solltest du versuchen, dich und deinen Hund aus der Situation zu entfernen. Wenn du genug Zeit und Abstand hast, geh einfach in eine andere Richtung.

    Nutze dabei ein Leckerli, um deinen Hund abzulenken und seine Aufmerksamkeit auf dich zu lenken, während du dich entfernst. Behalte dabei immer den freilaufenden Hund im Auge, um sicher aus dem Bereich zu kommen.

    Das Vermeiden von Kontakt mit dem freilaufenden Hund ist immer die beste Option! Denn so kann die Situation gar nicht erst eskalieren und für dich oder deinen Hund gefährlich werden.

    Manchmal nähert sich der andere Hund jedoch so schnell, dass ein einfaches Entfernen nicht möglich ist. In diesem Fall solltest du schnell handeln.

    Schau dich um, ob jemand in der Nähe ist, der helfen könnte, den Hund wegzulocken, und suche nach einem Fluchtweg.

    In jedem Fall solltest du deinen Hund hinter dir positionieren, wenn du den Kontakt mit dem anderen Hund vermeiden willst.

    Überlege zusätzlich, ob es einen sicheren Ort gibt, an den du deinen Hund bringen kannst (falls er klein genug ist, um ihn hochzuheben), wo der andere Hund ihn nicht erreichen kann – wie ein Picknick Tisch im Park, auf einen Müllcontainer oder das Dach eines Autos. Es mag unkonventionell klingen, aber in so einer Situation ist Kreativität gefragt.

    3. Stoppe oder blockiere die Annäherung des anderen Hundes

    Anschließend kannst du versuchen, die Annäherung des anderen Hundes zu unterbinden, indem du seine Aufmerksamkeit weg von deinem Hund auf dich lenkst.

    Sprich den Hund mit fester, aber ruhiger Stimme an. Ein einfaches „Nein“ oder „Geh weg“ kann manchmal ausreichen, um den Hund zu stoppen. Wenn du merkst, dass der Hund auf deine Stimme reagiert, kannst du ihm auch ein Kommando wie „Ab“ geben. Natürlich funktioniert das nicht immer, aber es ist einen Versuch wert.

    Eine weitere Möglichkeit ist, deine Körperhaltung zu nutzen, um imposanter zu wirken. Stelle dich so zwischen den herannahenden Hund und deinen Hund, dass du mehr Raum einnimmst. Aufrecht, gerade und selbstbewusst solltest du da stehen.

    Dabei kannst du deine Hand ausstrecken, als würdest du ein Stoppsignal geben. Das kann dem anderen Hund signalisieren, dass er Abstand halten soll.

    Manchmal kann es auch helfen, den Hund abzulenken. Zum Beispiel könntest du ein paar Leckerlis in seine Richtung werfen. Während der Hund damit beschäftigt ist, die Leckerlis zu suchen, hast du Zeit, dich und deinen Hund aus der Situation zu entfernen.

    Als letztes Mittel, wenn nichts anderes funktioniert und du dich bedroht fühlst, könntest du versuchen, den Hund zu erschrecken.

    Hier sind ein paar Möglichkeiten, von denen ich gehört habe:

    • Ein aufklappbarer Regenschirm kann eine überraschende Barriere schaffen
    • Lautes Klatschen oder Rufen verunsichert den anderen Hund
    • Eine Wasserflasche in der Jackentasche, die man über den anderen Hund spritzen kann
    • Eine zweite Leine dient als „Peitsche“ (man nutzt sie jedoch weniger schwungvoll) um den anderen Hund auf Distanz zu halten und einen Klapps auf den Hintern geben zu können

    Auch Sprays wie z.B. ein Tierabwehr-Spray können in extremen Fällen helfen. Diese sollten aber wirklich nur im Notfall verwendet werden, da sie den Hund erschrecken, stressen und die Situation verschlimmern können. Oder manchmal auch komplett wirkungslos sind.

    Außerdem ist Pfefferspray ein zweischneidiges Schwert. Sie können den annähernden Hund noch aggressiver machen oder du kannst dich im Gegenwind damit selbst treffen und außer Gefecht setzen. Daher sollten sie wirklich nur im äußerten Notfall eingesetzt werden!

    Affiliate links / Bilder von Amazon Product Advertising API

    Freilaufender Hund nähert sich dir und deinem Hund und das Herrchen ist dabei

    Wenn du beim Spaziergang mit deinem Hund auf einen freilaufenden Hund triffst und sein Besitzer in der Nähe ist, verändert sich die Situation ein wenig.

    Grundlegend kannst du dieselben Schritte befolgen, wie oben bereits beschrieben. Zusätzlich kannst du jedoch auch mit dem Herrchen des Freiläufers interagieren.

    Rufe den Besitzer des freilaufenden Hundes aufmerksam und bestimmt zu dir. Sag ihm klar und deutlich, dass er seinen Hund anleinen soll.

    In Deutschland ist geregelt, dass Hundebesitzer ihren Hund anleinen und unter Kontrolle halten müssen, wenn sie von anderen darauf hingewiesen werden. Dies gilt besonders in Situationen, in denen sich andere Hunde oder Personen bedroht fühlen könnten.

    Wenn der Besitzer des freilaufenden Hundes nicht sofort reagiert, bleibe standhaft und wiederhole deine Aufforderung. Es ist wichtig, dass du dabei ruhig und bestimmt bleibst.

    Längere Diskussionen solltest du vermeiden, bis der Hund angeleint ist. Erst wenn die Situation sicher ist, kann über das Geschehene gesprochen werden.

    In Deutschland hast du das Recht, dich und deinen Hund zu schützen, wenn dir ein anderer Hund zu nahe kommt.

    Es gibt mehrere Gerichtsurteile, die bestätigen, dass man sich gegen einen freilaufenden Hund verteidigen darf, auch wenn dieser noch nicht gebissen hat. Natürlich sollten dabei nur angemessene Mittel eingesetzt werden. Es geht darum, eine Gefahr abzuwenden, nicht darum, dem anderen Hund zu schaden.

    Halte deinen eigenen Hund unter Kontrolle

    Wenn ein fremder Hund auf euch zukommt, ist es von größter Wichtigkeit, dass du deinen eigenen Hund unter Kontrolle behältst. Selbst die besten Abwehrmaßnahmen nützen nichts, wenn dein Hund nach vorne prescht, sei es um den anderen Hund zu begrüßen oder um dich zu verteidigen.

    In solchen Fällen können sich die Hunde untereinander in eine Auseinandersetzung verwickeln, die schwer zu kontrollieren ist.

    Falls du merkst, dass dein Hund sehr aufgeregt oder abgelenkt ist, versuche, ihn hinter dich zu ziehen, um eine Barriere zwischen ihm und dem anderen Hund zu schaffen. Das kann ihm helfen, sich zu beruhigen und sich auf dich zu konzentrieren, statt auf den anderen Hund.

    Wenn du genug Zeit hast kannst du auch versuchen die Aufmerksamkeit von deinem Hund auf ein Leckerli oder Spielzeug zu richten, sodass er den anderen Hund erst einmal völlig ignoriert.

    Wenn dein Hund jedoch zu groß oder zu stürmisch ist, kann es schwierig sein, ihn effektiv zurückzuhalten. In solch einem Fall, und besonders wenn die Hunde bereits in eine physische Auseinandersetzung verwickelt sind, kann es manchmal sicherer sein, die Leine loszulassen.

    Das Loslassen der Leine sollte allerdings wirklich nur als letzte Maßnahme betrachtet werden, wenn alle anderen Versuche, die Situation zu beruhigen, gescheitert sind.

    In den meisten Fällen ist es sicherer und effektiver, deinen Hund kontrolliert an der Leine zu halten, bis die Situation entschärft ist.

    Beißt dein Vierbeiner in so einer Situation zusätzlich auch noch zu, kann es sein, dass du auf einmal vom Opfer zum Täter wirst und selbst in Probleme gerätst. Aus diesem Grund solltest du überprüfen, ob du eine Haftpflichtversicherung für deinen Hund abgeschlossen hast, die im Zweifel solche Schäden durch deinen Hund übernimmt.