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Die 6 häufigsten Gründe warum ein Hund schnappt oder beißt

    Illustration bellender aggressiver Hund

    Selbst wenn du keinen „Kampfhund“ hast kann es vorkommen, dass dein Hund nach dir schnappt oder zubeißt. Denn Hundebisse kommen recht regelmäßig vor und immer wieder hört man von Verletzungen. Doch warum schnappt ein Hund eigentlich nach dir? Wir schauen uns die häufigsten Gründe an!

    Aus diesem Grund schnappt ein Hund nach dir

    1. Aus Versehen

    Hunde sind bekannt für ihre spielerische und manchmal übermütige Art, besonders wenn es um das Herumtollen mit ihren Lieblingsmenschen geht.

    In solchen ausgelassenen Momenten kann es vorkommen, dass dein treuer Vierbeiner nach dir schnappt – jedoch nicht aus Aggression, sondern eher aus Versehen. Wie wir alle wissen sind Hunde in ihrer Begeisterung manchmal etwas ungestüm.

    Das kenne ich auch von meinem eigenen Hund: Es ist schon des Öfteren vorgekommen, dass ich im Eifer des Gefechts, während ich mit dem Zerrseil spiele, die spitzen Zähne meines Hundes an meiner Hand gespürt habe.

    Das Wichtigste in solchen Situationen ist, deinem Hund zu zeigen, dass sein Verhalten Konsequenzen hat, auch wenn es unbeabsichtigt war.

    Ein abruptes Ende des Spiels ist hier meist eine effektive Lektion. So lernt den Hund, aufmerksam zu sein und seine eigene Kraft besser einzuschätzen.

    Es geht hierbei nicht darum, deinen Hund zu bestrafen, sondern ihm auf eine verständnisvolle Weise zu zeigen, dass er vorsichtiger sein muss.

    Natürlich ist das manchmal schade, besonders wenn du und dein Hund gerade mitten im Spiel sind. Aber es ist wichtig, dass dein Hund hier Grenzen kennen lernt.

    Ein ruppiges Spielverhalten, das nicht korrigiert wird, kann später zu unangenehmen Situationen führen, nicht nur mit dir, sondern auch mit anderen Menschen und Hunden. Dein Hund könnte dann unbeabsichtigt zu grob werden und sich und anderen Schaden zufügen. Dann hast du auf einmal deutlich mehr Ärger am Hals.

    Es ist daher wichtig, von Anfang an klare Grenzen im Spiel zu setzen. Auch wenn es nur ein Versehen war, hilft es deinem Hund, ein besseres Verständnis für seine Handlungen zu entwickeln und in Zukunft vorsichtiger zu sein.

    2. Verteidigung von Ressourcen

    Hund frisst aus Futternapf

    Beim Menschen sagt man oft, dass die Freundschaft bei Geld aufhört. Ähnlich verhält es sich bei Hunden, wenn es um Futter oder Spielzeug geht. Selbst der treueste Vierbeiner kann in solchen Situationen zum Ressourcen-Verteidiger werden.

    Das ist ein natürliches Verhalten und als Hundehalter liegt es an dir, solche Situationen zu erkennen und entsprechend zu handeln.

    Warum schnappt mein Hund nach mir? Hunde kommunizieren nicht wie wir Menschen. Sie haben eine ganz eigene Art, ihre Bedürfnisse und Ängste auszudrücken.

    Wenn ein Hund nach dir schnappt, ist das oft ein Zeichen dafür, dass er sich bedroht fühlt – in diesem Fall, dass ihm eine wichtige Ressource weggenommen wird.

    Die Eskalationsleiter bei Hunden ist bemerkenswert kurz. Vom leisen Knurren zum energischen Schnappen kann es schnell gehen, besonders wenn der Hund das Gefühl hat, dass seine Warnungen ignoriert werden. Es ist wichtig, diese Signale frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

    Häufig sieht man Ressourcen-Verteidigung bei Hunden, die eine schwierige Vergangenheit hatten. Ehemalige Straßenhunde oder vernachlässigte Tiere, die Hunger erlebt haben, zeigen dieses Verhalten sehr häufig.

    Sie müssen erst lernen, dass sie in ihrem neuen Zuhause regelmäßig Futter und Aufmerksamkeit bekommen. Je nachdem, wie lange sie unter schlechten Bedingungen gelebt haben, kann dieser Verteidigungsinstinkt tief verwurzelt sein.

    Ein weiterer Grund für Ressourcen-Verteidigung kann paradoxerweise ein Überfluss an Spielzeug und Aufmerksamkeit sein. Hunde, die ständig Zugang zu vielen Spielsachen haben, können dadurch überfordert werden und das Bedürfnis entwickeln, alles zu überwachen und zu verteidigen.

    Als Hundehalter kannst du in dieser Situation eingreifen, indem du das Spielzeug reduzierst und die Spielzeiten kontrollierst.

    Es klingt vielleicht hart, aber indem du die Ressourcen verwaltet, gibst du deinem Hund die Sicherheit, dass er sich keine Sorgen machen muss. Du bist derjenige, der für ihn sorgt und seine Bedürfnisse erfüllt.

    Durch diese Struktur lernt dein Hund, sich zu entspannen und zu vertrauen, dass seine Grundbedürfnisse immer erfüllt werden.

    3. Angst

    Angst ist ein mächtiges Gefühl, nicht nur bei uns Menschen, sondern auch bei unseren vierbeinigen Freunden. Wenn dein Hund nach dir schnappt, kann das ein deutliches Zeichen seiner Angst sein. In solchen Momenten fühlt sich dein Hund in die Enge getrieben oder von einer Situation überfordert.

    Du kannst diese Angst oft daran erkennen, dass er sich klein macht, gebückt geht und seinen Schwanz unter dem Bauch trägt.

    Angst äußert sich bei Hunden auf verschiedene Weisen. Manche Hunde reagieren bei Angst sehr lautstark. Sie bellen, jaulen und wirken, als würden sie am liebsten die Wände hochgehen. Sie tun buchstäblich alles, um aus der Situation zu fliehen, die sie als bedrohlich empfinden.

    Ein typisches Beispiel für eine solche angstauslösende Situation ist der Besuch beim Tierarzt. Wir kennen alle die Bilder von Hunden, die sich mit aller Macht dagegen wehren, ins Behandlungszimmer zu gehen oder die Praxis zu betreten.

    In ihrer Panik kann es passieren, dass sie in einem unkontrollierten Moment auch nach dir schnappen. Für sie ist es ein Ausdruck ihres Unwohlseins und der starken Abneigung gegen die Situation.

    Wenn ein Hund aus Angst schnappt, ist dies häufig von lautem Knurren oder Bellen begleitet. Oft zeigen Hunde auch zuerst ihre Zähne, als Warnung. Einige Hunde erstarren in dieser Haltung und schnappen dann plötzlich zu.

    Es ist eine instinktive Reaktion, ein Versuch, die bedrohliche Situation zu kontrollieren oder sich davon zu befreien.

    4. Warnung und Abschreckung

    Hund liegt aufmerksam auf der Straße

    Denk daran, dass Hunde ihre Emotionen und Bedürfnisse anders ausdrücken als wir Menschen. Schnappen ist oft ein Zeichen dafür, dass in der Kommunikation zwischen dir und deinem Hund etwas schiefgelaufen ist. Es ist eine Warnung, ein letzter Versuch, dir zu sagen: „Hey, mir ist gerade nicht wohl bei der Sache.“

    Hunde haben eine sogenannte Eskalationsleiter, die verschiedene Stufen des Unwohlseins zeigt. Es beginnt mit Entspannung und führt über verschiedene Signale wie Kopf wegdrehen, Lecken, Blinzeln, Bellen und Zähne zeigen bis hin zum Schnappen und Beißen. Wenn dein Hund nach dir schnappt, ist er schon auf einer ziemlich hohen Stufe dieser Leiter.

    Aber warum genau schnappt dein Hund? Es könnte Angst oder Aggression sein. Viele verwechseln diese beiden Gründe, aber es gibt Unterschiede in der Körpersprache.

    Ein ängstlicher Hund zeigt sich oft gekrümmt und gebückt, während ein aggressiver Hund sich steif und groß macht, direkt in die Augen schaut und leiser ist.

    Das Wichtigste ist, die Ursache für das Schnappen herauszufinden. Hat dein Hund Angst? Fühlt er sich bedroht? Oder zeigt er aggressives Verhalten? In diesem Fall ist es ratsam, einen erfahrenen Hundetrainer zu Rate zu ziehen. Er kann dir helfen, die Signale deines Hundes besser zu verstehen und ihm beizubringen, wie er sich in stressigen Situationen verhalten soll.

    Bis du professionelle Hilfe bekommst, vermeide nach Möglichkeit Situationen, die deinen Hund stressen. Dränge ihn nicht in die Ecke, vermeide direkten Augenkontakt und sprich ruhig mit ihm.

    5. Schmerzen

    Stell dir vor, du hast Schmerzen und jemand berührt genau diese schmerzhafte Stelle – deine erste Reaktion wäre wahrscheinlich, dich instinktiv wegzuziehen oder zu zucken.

    Ähnlich verhält es sich bei Hunden. Sie können nicht sagen „Aua, das tut weh!“, also reagieren sie auf ihre Weise: Sie zucken zusammen und schnappen vielleicht auch nach dir.

    Das Schnappen aus Schmerz ist in der Regel ein Reflex, kein gezielter Angriff. Es ist eine instinktive Reaktion auf den plötzlichen Schmerz.

    Besonders, wenn du einen Hund hast, der dir noch nicht vollständig vertraut, könnte dieses Verhalten auch eine Art Abschreckung sein, ein Signal, dass du ihm an dieser bestimmten Stelle nicht zu nahe kommen solltest.

    Jetzt fragst du dich vielleicht: „Aber wie erkenne ich, ob mein Hund Schmerzen hat?“ Hunde sind Meister darin, Schmerz zu verbergen. Es liegt in ihrer Natur, Schwäche nicht zu zeigen.

    Deshalb ist es so wichtig, auf subtile Hinweise zu achten. Verändert sich das Verhalten deines Hundes? Zeigt er Unlust beim Spazierengehen oder beim Spielen? Leckt er ständig eine bestimmte Stelle? Das könnten Anzeichen für Schmerzen sein.

    Der wichtigste Rat, den ich dir geben kann, ist: Wenn du vermutest, dass dein Hund Schmerzen hat, solltest du mit einem Tierarzt sprechen. Der Fachmann kann dir schneller weiterhelfen und besser einschätzen, ob und was mit deinem Hund nicht stimmt.

    Wenn du keine Lust auf den Weg zum Tierarzt hast, kannst du inzwischen auch ganz entspannt von Zuhause aus mit Tierärzten sprechen. Durch einen Online-Videocall bekommst du sofortige Hilfe – auch ganz ohne Termin!

    6. Pubertät

    Die Pubertät bei Hunden – eine herausfordernde Zeit für Hund und Halter gleichermaßen. Wie bei uns Menschen, durchlaufen auch unsere vierbeinigen Freunde eine Phase des Heranwachsens, die mit vielen Veränderungen einhergeht.

    Bei Hunden beginnt diese Zeit je nach Rasse unterschiedlich. Kleinere Hunde treten meist etwas früher in die Pubertät ein und werden schneller geschlechtsreif, während es bei größeren Rassen etwas länger dauert.

    Ungefähr im Alter von sechs Monaten kannst du damit rechnen, dass sich das Verhalten deines Hundes merklich verändert.

    Diese Veränderungen können für dich als Halter ziemlich überraschend kommen, besonders wenn du viel Zeit und Mühe in die Erziehung deines Hundes investiert hast. Plötzlich scheint es, als hätte dein Hund alles vergessen, was du ihm beigebracht hast.

    In dieser Phase der Pubertät kann es vorkommen, dass dein Hund nach dir schnappt. Dies ist jedoch kein Zeichen von Aggression, sondern eher ein Ausdruck seiner inneren Verwirrung und des Hormonchaos, das in ihm tobt. Dein Hund versteht selbst nicht ganz, warum er sich so verhält.

    So ein bisschen wie ein heranwachsender Teenager der gegen seine Eltern rebelliert und denkt, dass was du ihm beigebracht hast ist jetzt alles nicht mehr relevant.

    Trotz dieser Probleme ist es wichtig, dass du als Halter konsequent bleibst. Schnappen sollte niemals toleriert werden, auch nicht in der Pubertät.

    Es ist wichtig, dass du deinem Hund weiterhin klare Grenzen setzt und unerwünschtes Verhalten sofort unterbindest. Gleichzeitig solltest du positives Verhalten belohnen und deinen Hund bestärken.

    Denk daran, dass dein Hund in dieser schwierigen Lebensphase auch viel Liebe und Geduld braucht. Die Pubertät ist für ihn genauso verwirrend und anstrengend wie für uns Menschen. Mit Verständnis, Konsequenz und einer Portion Geduld kannst du deinem Hund helfen, diese Zeit gut zu meistern und zu einem ausgeglichenen Erwachsenen heranzuwachsen.