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Können Hunde beleidigt sein? | Anzeichen, Gründe & Lösungen

    Sketch: Frau untersucht Hund Zuhause

    Du machst etwas und auf einmal zeigt dir dein Hund die kalte Schulter? Das wirft natürlich die Frage auf: Können Hunde beleidigt sein?

    Wir schauen uns diese Frage genauer an und gehen auch auf Auslöser und Lösungen für dieses Verhalten ein.

    Kann ein Hund beleidigt sein?

    Die Frage ob Hunde beleidigt sein können ist gar nicht so einfach zu beantworten.

    Kurz gefasst: Ja, es gibt Momente, in denen Hunde sich so verhalten, als ob sie beleidigt sind. Manchmal passiert das sogar in Situationen, die für uns Menschen völlig harmlos erscheinen.

    Es ist jedoch nicht ganz klar, ob Hunde tatsächlich diese spezielle Emotion „beleidigt sein“ kennen oder ob es eher ein Mix anderer Emotionen wie Wut, Neid oder Angst ist, den wir Menschen aufgrund unserer Emotionsvorstellung fälschlicherweise als beleidigt sein interpretieren.

    Aber egal was es genau ist, grundsätzlich ist es möglich, einen nach unseren Vorstellungen beleidigten Hund zu haben.

    Was führt dazu, dass der Hund beleidigt ist?

    Hund ist neidisch auf etwas oder jemanden

    Als Kind erinnere ich mich lebhaft an eine ganz besondere Eigenart unseres Familienhundes. Wenn meine Eltern gemütlich auf der Couch kuschelten, konnte unser Hund das kaum ertragen.

    Er war wie ein Schatten, immer in der Nähe, beobachtete die Szene mit einer Mischung aus Neugier und offensichtlicher Unzufriedenheit.

    Wurde er zu lange ignoriert, zeigte Kima, unsere damalige Mischlingshündin, unmissverständlich, dass sie beleidigt war.

    Hunde, so habe ich gelernt, können von Natur aus sehr neidisch sein, besonders wenn sie das Gefühl haben, innerhalb ihres ‚Rudels‘ zu kurz zu kommen.

    Dieser Neid ist ein instinktives Verhalten, das tief in der Sozialstruktur von Hunden verwurzelt ist. In der Wildnis konkurrieren Hunde um Ressourcen und Aufmerksamkeit, und diese Dynamik findet sich auch bei unseren Haushunden wieder.

    Der Neid meines aktuellen Hundes zeigt sich in ähnlicher Weise wie bei Kima. Wenn ich mich mit anderen Menschen beschäftige oder ihn zu lange ignoriere, merke ich schnell, dass er das nicht gutheißt.

    Auch hier ist der Vierbeiner früher oder später dann richtig beleidigt.

    Hund wird alleine gelassen

    Das Alleinlassen unseres Hundes ist eine dieser alltäglichen Situationen, die zu einem beleidigten Verhalten führen können. Unsere Hunde sind wahre Experten darin, unsere Routinen und Gewohnheiten zu erkennen.

    Sie wissen genau, was es bedeutet, wenn wir unsere Schuhe anziehen oder zur Tür gehen. In solchen Momenten spitzt sich die Erwartungshaltung zu: Geht es jetzt zum Spaziergang? Komme ich mit?

    Die Enttäuschung ist dann groß, wenn das ersehnte „Komm, wir gehen raus!“ ausbleibt.

    Stell dir vor, ich ziehe meine Schuhe an und mein Hund springt schon aufgeregt umher. Doch dann kommt das „Du bleibst“ – und mit diesen Worten scheint ihre ganze Welt für einen Moment zusammenzubrechen.

    Ihr Blick spricht Bände, und man kann fast spüren, wie sie denkt: „Was? Ohne mich? Wie kannst du nur!“ Dieser vorwurfsvolle Blick, den sie mir dann zuwirft, ist herzzerreißend.

    Aber es gibt noch eine andere Seite der Medaille. Manche Hunde zeigen ihre Beleidigung nicht sofort, sondern erst, wenn wir wieder zurückkommen. Es ist fast wie eine Art Trotzreaktion.

    Man öffnet die Tür, erwartet freudiges Schwanzwedeln und bekommt stattdessen einen Hund, der sich demonstrativ abwendet oder sogar den Raum verlässt.

    Es ist, als ob der Hund sagen will: „Du hast mich alleine gelassen, jetzt interessiere ich mich auch nicht für dich.“

    Er fühlt sich unfair behandelt

    Hunde haben durchaus ein Verständnis dafür, was fair und was unfair ist. Ein interessantes Beispiel hierfür ist ein Experiment der Forscherin Friederike Range von der Universität Wien.

    In diesem Experiment wurden Paare von Haushunden beobachtet, um zu verstehen, wie sie auf Ungerechtigkeit reagieren. Die Hunde wurden nebeneinander platziert und sollten auf Kommando Pfötchen geben.

    Als Belohnung erhielten sie entweder ein Stück Brot oder Wurst. Wichtig dabei war, dass die Hunde nicht nur ihre eigene Belohnung, sondern auch die ihres Partners im Blick hatten.

    Wenn beide Hunde belohnt wurden, gab es kein Problem. Die Anwesenheit des anderen Hundes störte nicht. Aber sobald einer der Hunde wiederholt leer ausging, änderte sich das Verhalten des benachteiligten Hundes deutlich.

    Er zeigte seinen Unmut, indem er zunächst nur zögerlich auf den Befehl reagierte. Nach etwa 15 bis 20 Durchgängen ohne Belohnung verweigerte der Hund schließlich komplett die Mitarbeit.

    Er mied sogar den Blickkontakt zum Experimentator, der versuchte, ihn zum Pfötchengeben zu bewegen.

    Dieses Verhalten ist ein klarer Hinweis darauf, dass Hunde ein Empfinden für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit haben.

    Sie erkennen, wenn sie im Vergleich zu anderen unfair behandelt werden, und reagieren darauf mit Verhalten, das wir als Beleidigtsein interpretieren.

    Hund bellt in Wohnung

    Wie zeigt ein Hund, dass er beleidigt ist?

    1. Er legt die Ohren an

    Die Körpersprache eines Hundes zu verstehen, ist eine faszinierende Sache. Besonders die Ohren spielen dabei eine wichtige Rolle, um zu kommunizieren, wie es ihnen geht.

    Angelegte Ohren sind ein deutliches Signal, das oft zeigt, dass der Hund sich in der aktuellen Situation unwohl fühlt.

    Ich erinnere mich an Kima, wie sie reagierte, wenn sie beobachtete, dass jemand ohne sie auf der Couch kuschelte.

    Ihre Ohren legten sich dann nach hinten, begleitet von einem Blick, der klar sagte: „Das gefällt mir nicht!“ In solchen Momenten wurde sehr schnell klar, dass Kima sich ausgeschlossen oder beleidigt fühlte.

    Aber Achtung: Angelegte Ohren müssen nicht immer nur Beleidigung bedeuten. Sie können auch ein Zeichen von Ängstlichkeit oder Unsicherheit sein.

    Daher solltest du die Gesamtsituation und die restliche Körpersprache des Hundes beobachten. Wie steht der Schwanz? Wie ist die Körperhaltung? Gibt es andere Anzeichen wie vermehrtes Lecken der Lippen oder Vermeiden von Blickkontakt?

    Das hilft zu entscheiden ob der Hund beleidigt ist, oder ob es etwas anderes gibt, das ihm Unbehagen bereitet.

    2. Er dreht dir den Rücken zu

    Mein Hund hat aber auch andere Strategien gehabt um sich zu beschweren. Besonders wenn der Hund das Gefühl hatte, dass er zu wenig Aufmerksamkeit bekommt ist folgendes passiert:

    Sie setzte sich direkt vor mich, aber mit dem Rücken zu mir. Das war ihre Art zu sagen: „Ich bin zwar hier, aber ich schaue gar nicht was du da machst, ich komme schon alleine klar.“

    Es war ein bisschen so zu verstehen wie ein: „Ich beachte dich gerade nicht, weil du mich auch nicht beachtest.“

    Aber gleichzeitig war sie nahe genug, dass ich sie nicht übersehen konnte. Man hätte ja also jederzeit „zufällig“ auf die Idee kommen können, doch etwas mit ihr zu machen.

    3. Er schaut dich nicht und nur verstohlen an

    Auch lustig zu beobachten ist, wenn der Hund sich demonstrativ dazu entscheidet gar nicht in deine Richtung zu gucken.

    Das war z.B. auch beim Kuscheln auf der Couch aber auch nach dem Spielen der Fall, wenn man entschieden hat das jetzt genug war und das Spielzeug weggepackt hat.

    Kima war zunächst völlig verdutzt, so als ob sie nicht glauben konnte, dass die schöne Zeit schon vorbei sein sollte. Dann folgte der beleidigte Teil.

    Der Hund entschied sich demonstrativ dazu, gar nicht mehr in meine Richtung zu schauen. Es war, als würde sie sagen: „Wenn du nicht mehr mit mir spielen willst, dann ignoriere ich dich auch.“ Ihre Haltung war stur, der Blick fest entschlossen in die andere Richtung gerichtet.

    Aber das Lustigste an dieser ganzen Situation war, dass sie trotz ihrer offensichtlichen Beleidigung neugierig blieb.

    Ich konnte sehen, wie sie mich aus dem Augenwinkel beobachtete, nur mit dem weißen Teil ihres Auges, um zu sehen, wie ich reagiere.

    Sobald ich sie anschaute, drehte sie blitzschnell den Kopf weg, so als ob sie erwischt worden wäre.

    Manchmal kam man sich vor wie im Kindergarten mit dem Hund: „Ich schau dich gar nicht an, aber ich will trotzdem sehen, was du machst.“

    4. Er geht sich demonstrativ alleine beschäftigen

    Es gibt Tage, an denen ich einfach zu müde oder beschäftigt bin, um mich ständig mit meinem Hund zu beschäftigen. Dann beginnt das Schauspiel.

    Zuerst versucht sie, mich mit ihrem intensiven, treuen Blick zu überzeugen, ihr Beachtung zu schenken. Wenn sie aber merkt, dass das gerade nichts wird, ändert sie ihre Taktik.

    Sie beginnt, sich demonstrativ alleine zu beschäftigen. Ich beobachte, wie sie ein Spielzeug, oft eines, das schon länger nicht im Einsatz war, aus irgendeiner Ecke hervorkramt. Dann fängt sie an, für sich allein damit zu spielen.

    Es wirkt fast so, als würde der Hund sagen: „Schau her, ich brauche dich nicht, um Spaß zu haben. Ich kann mich auch ganz prima selbst unterhalten.“

    Auch hier habe ich immer das Gefühl, dass sie eine leichte Beleidigung ausdrückt, so nach dem Motto: „Du willst nicht mit mir spielen? Kein Problem, ich amüsiere mich auch ohne dich.“

    Auf manchen Websites liest man außerdem, das der Hund aus „Rache“ deine Dinge zerstören würde oder in die Wohnung macht. Dies ist jedoch falsch! Hund sind nämlich nicht in der Lage, Dinge aus Rache zu tun, da sie dieses Konzept nicht kennen!

    Sketch: Hund spielt mit Kong Hundespielzeug

    5. Er will nicht mehr kuscheln

    Manchmal zeigen Hunde ihre Beleidigung auf eine Weise, die uns Menschen sehr bekannt vorkommt – sie ziehen sich zurück, besonders wenn es um Kuscheln und Streicheln geht.

    Stell dir vor, du sitzt gemütlich auf der Couch, dein Tag war lang, und du freust dich auf ein wenig Entspannung mit deinem vierbeinigen Freund.

    Du lädst ihn ein, zu dir zu kommen, streckst vielleicht sogar die Hand aus, aber die Reaktion ist nicht die, die du erwartest.

    Dein Hund schaut dich an, vielleicht mit einem Blick, der ein bisschen Unmut verrät, aber er rührt sich nicht von der Stelle.

    Kein fröhliches Wedeln, keine freudigen Sprünge, einfach nur ein starrer Blick und keine Bewegung in deine Richtung. Manchmal kann es sogar sein, dass er sich umdreht und einen anderen Platz wählt, weit weg von dir.

    Dieses Verhalten ist ein deutliches Zeichen dafür, dass er gerade nicht zufrieden und beleidigt ist.

    In solchen Momenten scheint der Hund zu denken: „Nö, zu dir will ich gerade nicht, du bist doof.“ Es ist fast so, als ob er einen kleinen Groll hegt, vielleicht weil du zuvor nicht genug Zeit mit ihm verbracht hast oder weil er sich vernachlässigt fühlt.

    6. Er führt Befehle nicht mehr so gut aus

    Ein interessantes Phänomen, das ich bei Hunden beobachtet habe, ähnelt stark dem Verhalten eines beleidigten Kindes.

    Wenn ein Hund beleidigt ist, verändert sich oft seine Reaktion auf Befehle und Anweisungen. Dies wurde auch im oben dargestellten Experiment der Universität Wien deutlich.

    Normalerweise folgt ein gut trainierter Hund Kommandos schnell und freudig, aber wenn er beleidigt ist, dann ändert sich so etwas auch ganz schnell.

    Ein beleidigter Hund zeigt seine Gefühle, indem er Befehle nur noch widerwillig oder halbherzig ausführt. Man ruft ihn, und er kommt nur zögerlich oder gar nicht.

    Man bittet ihn, sich hinzusetzen, und er tut es nur langsam und mit sichtbarem Widerwillen.

    Diese Verhaltensänderung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Hund nicht einfach nur unaufmerksam oder abgelenkt ist, sondern dass er tatsächlich ein Gefühl der Beleidigung empfindet. Es ist, als würde der Hund auf seine eigene Weise protestieren.

    Was kann man tun, wenn der Hund beleidigt ist?

    Jetzt hat man verstanden, warum der Hund so beleidigt vor einem sitzt, aber das führt natürlich direkt zur nächsten Frage: Was kann man tun, wenn der Hund beleidigt ist.

    Meine beste und einfachste Lösung war bislang immer: Gar nichts, einfach ganz normal weiter verhalten. Es ist wie bei einem Kind, das schlechte Laune hat. Manchmal ist Ignorieren die beste Strategie.

    Das klingt vielleicht hart, aber es ist oft effektiv. Dein Hund wird bald merken, dass sein Verhalten nicht das gewünschte Ergebnis bringt.

    Wenn du ihm nicht zu viel Aufmerksamkeit schenkst, während er beleidigt ist, lernt er, dass Schmollen nicht der Weg ist, um das zu bekommen, was er will.

    Aber lass uns ehrlich sein, ein bisschen Liebe und Aufmerksamkeit hat noch niemandem geschadet, oder? Biete ihm also ruhig weiter deine Nähe an.

    Ein sanftes Wort, ein freundlicher Blick oder eine offene Einladung zum Spielen oder Streicheln und du wirst sehen, früher oder später ist dein Vierbeiner wieder ganz der Alte.

    Du kennst doch das Sprichwort: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Geduld und Beständigkeit sind hier deine besten Freunde.

    Und dann gibt es da noch die Geheimwaffe: Leckerlis. Ja, ich weiß, es klingt wie Bestechung, aber manchmal ist ein kleiner Anreiz genau das, was nötig ist.

    Ein leckeres Leckerli kann die Stimmung deines Hundes schnell aufhellen und ihn wieder zu seinem fröhlichen Selbst machen.

    Sobald er zu dir kommt, nutze die Gelegenheit, um ihn zu streicheln und deine Zuneigung zu zeigen. Es ist wichtig, dass dein Hund versteht, dass du trotz seines Verhaltens immer noch für ihn da bist.

    Kurz gesagt, bei einem beleidigten Hund hilft oft eine Kombination aus liebevoller Ignoranz, geduldiger Zuwendung und einem kleinen Anreiz in Form eines Leckerlis. Mit der Zeit lernt dein Hund, dass Schmollen nicht der effektivste Weg ist, um Aufmerksamkeit zu bekommen, und ihr könnt eure Zeit wieder mit Freude und Spiel verbringen.