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Können sich Hunde rächen oder aus Zorn handeln?

    Hund beißt in einen Schuh

    Manchmal tun Hunde Dinge, die wie eine aus dem Zorn geborene Reaktion aussieht. Doch da hat sich für mich die Frage gestellt: Können sich Hunde wirklich rächen?

    Kennen Hunde das Gefühl von Rache?

    Stell dir vor, du kommst nach einem langen Arbeitstag nach Hause, und das erste, was dich begrüßt, ist ein Chaos. Dein Hund hat es geschafft, deine Lieblingskissen zu zerfetzen, und überall liegen Watteflocken.

    Du starrst auf das Durcheinander, ärgerst dich und dann schaust du deinen Hund an. Sein Gesicht und seine Körpersprache scheinen das Wort „schuldig“ regelrecht auszustrahlen!

    Er schleicht sich davon, der Schwanz ist eingeklemmt, die Ohren sind nach hinten gelegt – es sieht aus, als ob er gerade bei einer Missetat erwischt wurde und sich für sein Fehlverhalten schämt. Aber ist das wirklich, was hier passiert?

    Die Wahrheit ist, Hunde sind nicht in der Lage, Dinge aus Rache zu tun. Rache würde bedeuten, dass dein Hund sich schlecht behandelt fühlt und dann bewusst einen Plan schmiedet, um dir es zurückzuzahlen. Das sind ziemlich viele gedankliche Schritte, die da ablaufen müssten.

    In Wirklichkeit, wenn Hunde auf den Boden machen oder Gegenstände zerstören, dann geschieht das nicht aus Trotz. Die wahrscheinlichste Ursache für dieses Verhalten ist Angst oder der Mangel an angemessener Bewegung und Stimulation.

    Rache ist eher eine menschliche Emotion, die wir fälschlicherweise mit solchen Ereignissen verbinden, weil sie in unserer menschlichen Welt logisch erscheinen.

    Aber dein Hund handelt nicht aus Rache; für ihn ist es normales Verhalten unter bestimmten Umständen.

    Sketch: Hund spielt mit Kong Hundespielzeug

    Können Hunde Pläne schmieden?

    Wir Menschen neigen dazu, unsere eigenen Fähigkeiten und Emotionen auf unsere tierischen Begleiter zu projizieren. Aber wie sieht es wirklich aus? Können Hunde Pläne schmieden?

    Zuerst einmal, Hunde leben sehr im Moment. Sie denken nicht wirklich darüber nach, was in den nächsten fünf Minuten passieren wird, geschweige denn, was morgen passiert, wenn ihre Menschen zur Arbeit gehen.

    Ihr Denken ist nicht in der Zukunft ausgerichtet, sondern vielmehr im Hier und Jetzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht fähig sind, Ereignisse zu antizipieren, die auf regelmäßigen Abläufen basieren.

    Ein klassisches Beispiel ist das bekannte Schlüsselklimpern oder Schuhe anziehen, das oft bedeutet, dass Herrchen oder Frauchen das Haus verlassen.

    Hunde verbinden solche Geräusche oder Handlungen wie das Anziehen von Schuhen mit bestimmten Ereignissen. Mein Hund weiß zum Beispiel genau, dass ich, wenn ich nach der Leine greife, gleich mit ihm Gassi gehen werde, auch wenn ich sonst noch nichts weiter gesagt oder getan habe.

    Das ist aber weniger ein Planen von Dingen als vielmehr eine Form des konditionierten Lernens. Der Hund weiß, nach dem A geschehen ist, passiert häufig B.

    Aber wie sieht es mit komplexeren Situationen aus? Wenn ein besonderer Anlass ansteht, planen Hunde dann etwas im Voraus? Werden sie sich besonders nett benehmen oder ihren Tagesablauf ändern?

    Die einfache Antwort ist: Nein. Hunde haben keine Vorstellung von besonderen Tagen oder Anlässen.

    Ihr Glück und ihre Zufriedenheit hängen nicht von einem Kalender oder einem Ereignis ab, sondern von der direkten Interaktion mit ihrer Umgebung und ihren Menschen. Deshalb versteht ein Hund auch nicht, warum gerade sein Geburtstag gefeirt wird.

    Darüber hinaus sind Hunde nicht in der Lage, komplexe Schlussfolgerungen zu ziehen und entsprechend mit vorberechneten Handlungen zu reagieren.

    Die Idee, dass ein Hund im Voraus plant, im Haus zu urinieren, um seinen Menschen zu ärgern, und dann erwartet, dass dieser zornig wird, ist weit hergeholt.

    Solch berechnendes Denken und vorausschauende Planung sind nicht Teil der kognitiven Fähigkeiten eines Hundes.

    Kurz gesagt, Hunde tun Dinge nicht aus Rache oder weil sie einen Plan geschmiedet haben. Ihr Verhalten ist viel direkter und unmittelbarer. Sie reagieren auf ihre Umgebung und ihre Bedürfnisse im Moment, nicht basierend auf komplexen Überlegungen oder zukünftigen Plänen.

    Hunde verstehen nicht den Wert von Dingen

    Wenn wir über das Verhalten und die Wahrnehmung von Hunden sprechen, müssen wir eines ganz klar verstehen: Hunde erkennen nicht den Wert von Dingen, so wie wir Menschen das tun.

    Dein Hund weiß nicht, dass der Teppich, auf den er gerade gepinkelt hat, hunderte von Dollars gekostet hat, oder dass du deine Stiletto-Schuhe, die er gerade zerkaut hat, besonders schätzt.

    Wenn dein Hund also dein Kissen zerkaut, ist das ein bisschen so, als würdest du dich über ein Kleinkind ärgern, das deine Schränke öffnet, in denen deine teuren Schmuckstücke aufbewahrt werden.

    Es liegt in deiner Verantwortung, den Zugang zu deinen Wertsachen zu verhindern, indem du sie sicher aufbewahrst.

    Hunde verstehen einfach nicht, dass bestimmte Gegenstände für uns einen besonderen materiellen oder emotionalen Wert haben.

    Wir Menschen neigen dazu, unseren Hunden menschenähnliche Eigenschaften zuzuschreiben, aber Hunde sind keine Menschen in pelzigen Mänteln.

    Ein Hund wird dein Zuhause nicht absichtlich aus Rache oder Trotz zerstören. Hunde planen ihre Aktionen nicht im Voraus, sondern handeln meistens impulsiv und im Moment.

    Während die menschliche Form der Rache sorgfältige Planung und Überlegung erfordern kann, sind die Handlungen eines Hundes mehr spontan.

    Dein Hund will Frustration zum Beispiel über das Kauen auf Gegenständen abarbeiten. Dabei ist ihm egal, ob er nun auf seinem Spielzeug, deinem Kissen oder einem Schuh herum kaut, er will nur die Handlung an sich ausführen.

    Wenn dein Hund also etwas anstellt und Dinge zerstört, die dir wertvoll erscheint, ist es wichtig, daran zu denken, dass er nicht die Absicht hat, dir zu schaden oder dich zu ärgern.

    Er versteht einfach nicht, dass sein Verhalten problematisch ist und hat im Moment der Tat etwas getan, das sich für ihn gut und richtig angefühlt hat.

    Hund sitzt traurig in einem Wohnzimmer

    Warum zeigen Hunde Reue und fühlen sich ertappt?

    Warum verhalten sich manche Hunde so, als ob sie sich ertappt fühlen, obwohl sie keine Racheakte begehen?

    Das Bild des „schuldigen Hundes“, der mit gesenktem Kopf und traurigen Augen dasteht, ist uns allen bekannt und in sozialen Medien weit verbreitet.

    Aber bedeutet dieses Verhalten wirklich, dass der Hund ein Gefühl der Schuld empfindet, weil er aus Trotz gehandelt hat?

    Interessanterweise deutet eine Studie, die 2009 im Journal „Behavioural Processes“ veröffentlicht wurde, darauf hin, dass dieses „schuldige“ Verhalten deines Hundes wahrscheinlich nicht durch echte Reue ausgelöst wird.

    Es ist vielmehr eine Reaktion deines Hundes auf deine Enttäuschung. In der Studie wurden Hunde gebeten, einen verbotenen Leckerbissen nicht zu essen.

    Anschließend wurden sie, unabhängig davon, ob sie den Leckerbissen tatsächlich gegessen hatten oder nicht, eines Fehlverhaltens beschuldigt.

    Die Forschung ergab, dass Hunde, die unschuldig waren und den verbotenen Leckerbissen nicht gegessen hatten, dennoch Körpersprache zeigten, die als „schuldig“ interpretiert werden könnte.

    Das bedeutet, dass Hunde, nach Tausenden von Jahren des Zusammenlebens mit Menschen, gelernt haben könnten, beschwichtigende Gesten zu zeigen, wenn ihre Besitzer Ärger, Frustration ausdrücken oder einfach nur eine mürrische Miene aufsetzen.

    Dieses Verhalten ist also weniger ein Ausdruck von Schuld oder Reue, sondern vielmehr eine Art der Kommunikation. Hunde sind sehr sensibel für die Stimmungen und Reaktionen ihrer Menschen.

    Wenn du enttäuscht oder verärgert bist, reagiert dein Hund darauf – nicht, weil er sich schuldig fühlt, sondern weil er deine Reaktionen wahrnimmt und darauf reagiert. Und zwar mit einem Verhalten, dass ihm evolutionär die meisten Vorteile gebracht hat.

    Hier siehst du ein Video von Hunden die sich „ertappt“ verhalten:

    Was ist mit Verhalten, das der Hund schon früher zeigt?

    Man hört aber auch Geschichten von Hunden, die anscheinend schon wissen, dass sie etwas Verbotenes getan haben, bevor ihr Besitzer überhaupt irgendeinen Beweis dafür gefunden hat.

    Dies wirft die Frage auf: Verstehen Hunde wirklich, wenn sie etwas Falsches getan haben, und zeigen sie deshalb schuldhaftes Verhalten?

    Interessanterweise wurde genau dieses Phänomen in einer Studie aus dem Jahr 2015 untersucht, um weitere Informationen darüber zu gewinnen, wie Hunde auf ihr eigenes Fehlverhalten reagieren.

    Diese Studie und auch frühere Untersuchungen konnten jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen dem „schuldigen“ Aussehen eines Hundes und seiner eigenen Handlung oder dem Beweis für das Fehlverhalten herstellen.

    Was bedeutet das für das Verhalten eines Hundes, der sich scheinbar „ertappt“ fühlt? Es ist auf jeden Fall unwahrscheinlich, dass dieses Verhalten auf einem echten Verständnis von „Richtig“ und „Falsch“ basiert, wie wir Menschen es definieren.

    Es ist eher möglich, dass Hunde aufgrund früherer Erfahrungen reagieren. Wenn ein Hund zum Beispiel in der Vergangenheit für ein bestimmtes Verhalten bestraft wurde, könnte er lernen, bestimmte Reaktionen zu zeigen, wenn er ähnliche Handlungen ausführt, in Erwartung einer möglichen Reaktion seines Besitzers.

    Ganz nach dem Motto: Nachdem A passiert, geschieht oft auch B.