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Nackengriff bei Hunden – Tut der Weh oder ist das in Ordnung?

    Zeichnung: Labrador und Englischer Setter

    Ich habe mitbekommen, dass eine Diskussion um den Nackengriff bei Hunden entbrennt. Daher habe ich mich selbst mit dem Thema beschäftigt und hier erfährst du, ob ich den Nackengriff bei Hunden artgerecht finde, ob dieser dem Hund weh tut und ob es in Ordnung ist, diesen bei deinem Vierbeiner anzuwenden.

    Das Wichtigste im Überblick

    – Der Nackengriff ist keine artgerechte Erziehungsmethode für den Hund.

    – Der Nackengriff tut deinem Hund weh und kann falsch ausgeführt zu ernsthaften, dauerhaften Verletzungen oder sogar Nervenschäden führen.

    – Um deinen Hund hochzuheben solltest du sanftere Methoden wählen, zum Beispiel ihn unter den Bauch fassen und so hochheben.

    – Um deinen Hund zu trainieren und zu erziehen solltest du auf positive Verstärkung und regelmäßiges Training und nicht auf Bestrafung setzen. Der Nackengriff beschädigt deine Bindung zum Hund und wird mehr schaden als helfen, wenn du den Hund erziehen willst.

    Wie wenden Hunde den „Nackengriff“ an?

    Also, stell dir vor, da ist eine Hündin mit ihren Welpen. Sie sind niedlich, verspielt und manchmal etwas zu übermütig.

    Die Hundemutter beobachtet das Treiben ihrer kleinen Racker mit einem wachsamen Auge. Sie weiß genau, wann sie eingreifen muss, um ihren Welpen die Regeln des sozialen Miteinanders beizubringen.

    Wenn einer der Welpen über die Stränge schlägt, etwa indem er einen erwachsenen Hund provoziert oder dessen Warnsignale missachtet, setzt die Mutter den Nackengriff ein.

    Sie packt den kleinen Racker vorsichtig, aber bestimmt am Nacken. Es ist faszinierend zu sehen, wie behutsam sie dabei ist.

    Ihre Zähne sind stark genug, um Schaden anzurichten, aber sie weiß genau, wie sie ihren Nachwuchs festhalten muss, ohne ihm wehzutun.

    Der Nackengriff ist keineswegs eine aggressive Handlung, sondern eher eine liebevolle Zurechtweisung.

    Außerdem ist diese Handlung oft von einem Knurren begleitet. Es ist nicht bedrohlich, eher ein tiefes, eindringliches Geräusch, das dem Welpen klar macht: „Hey, jetzt reicht’s!“

    Der Welpe reagiert meist sofort, beruhigt sich und zeigt Unterwürfigkeit. Erst dann lässt die Mutter ihn los, und der kleine Racker hat eine wichtige Lektion gelernt.

    Diese Art der Kommunikation ist so wichtig im Hundeleben. Sie lehrt die Welpen Respekt und soziale Kompetenzen, die für ihr späteres Leben wichtig sind.

    Kann man den Nackengriff auch als Mensch ausführen?

    Es ist eine häufige Frage unter Hundebesitzern, ob es angemessen oder sogar hilfreich sein könnte, den Nackengriff, wie ihn Hündinnen bei ihren Welpen anwenden, zu imitieren.

    Die kurze Antwort darauf ist: Nein, man sollte es definitiv vermeiden, Hunde am Nacken zu packen und hochzuheben, und das aus mehreren guten Gründen.

    Erstens, wir Menschen haben nicht die Fähigkeit, genau so zuzupacken wie eine Hundemutter. Wenn eine Hündin ihre Welpen am Nacken packt, tut sie das mit einem instinktiven Gefühl für die richtige Stärke und Position.

    Wir Menschen können diese Feinabstimmung nicht nachahmen. Unser Griff könnte zu fest oder ungeschickt sein, was zu Verletzungen oder Schmerzen beim Hund führen kann.

    Zweitens, der Körperbau von Hunden ändert sich, wenn sie wachsen. Welpen haben ein relativ geringes Gewicht und eine Haut, die es der Mutter erlaubt, sie am Nacken zu tragen, ohne ihnen Schmerzen zuzufügen.

    Aber schon im Alter von etwa acht Wochen sind die meisten Welpen für diese Art des Hochhebens zu groß und schwer.

    Die Struktur ihres Körpers ist einfach nicht dafür gemacht, das gesamte Körpergewicht am Nacken zu tragen, insbesondere nicht, wenn sie von Menschenhand gehoben werden.

    Außerdem ist es wichtig zu verstehen, dass das Verhältnis von Haut zu Körpermasse bei heranwachsenden Hunden abnimmt. Das bedeutet, dass die Haut weniger „spielraum“ bietet und weniger belastbar ist.

    Wenn also ein Hund am Nacken hochgehoben wird, kann dies sehr schmerzhaft für ihn sein und zu Verletzungen wie Muskelzerrungen, Wirbelsäulenproblemen oder sogar zu ernsthaften Nervenschäden führen.

    Daher ist es wesentlich sicherer und humaner, Hunde auf eine Art und Weise zu heben, die ihren Körper unterstützt.

    Bei kleinen Hunden bedeutet das, eine Hand unter den Brustkorb und die andere unter das Gesäß zu legen, um das Gewicht gleichmäßig zu verteilen.

    Bei größeren Hunden sollte man sich überlegen, ob das Heben überhaupt nötig ist, und wenn ja, dann sollte man darauf achten, den Hund so zu stützen, dass sein Körpergewicht gleichmäßig verteilt wird und keine Belastungspunkte entstehen

    Kann man den Nackengriff als Erziehungsmaßnahme einsetzen?

    Es gibt in der Tat veraltete Ansichten in der Hundeerziehung, die den Nackengriff als eine Art Disziplinierungsmethode empfehlen.

    Diese Ansätze basieren oft auf der irrigen Annahme, dass man durch den Nackengriff eine Art Dominanz über den Hund ausübt, ähnlich wie es in der Natur zwischen Hunden vorkommt.

    Diese Perspektive ist jedoch nicht nur wissenschaftlich überholt, sondern kann auch gefährlich irreführend sein.

    Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass ein Hund, der in menschlicher Obhut lebt, die Dynamik des Nackengriffs, wie sie in der Wildnis vorkommt, gar nicht vollständig verstehen kann.

    In der freien Natur wird der Nackengriff von der Hundemutter angewendet, um ihre Welpen zu disziplinieren. Dies geschieht in einem spezifischen Kontext und auf eine Weise, die für den Hund instinktiv verständlich ist.

    Der Hund lernt durch die Interaktion mit seiner Mutter und den anderen Welpen, was dieser Griff bedeutet und wie darauf zu reagieren ist.

    Wenn jedoch ein Mensch versucht, den Nackengriff anzuwenden, fehlt diesem Akt der natürliche und instinktive Kontext. Für den Hund ist es nicht nachvollziehbar, warum sein menschlicher Begleiter ihn auf diese Weise behandelt.

    Anstatt eine Botschaft der Disziplin zu vermitteln, kann dies beim Hund Angst, Misstrauen und sogar Aggression auslösen.

    Der Hund versteht nicht, dass es sich um eine Erziehungsmaßnahme handelt, sondern fühlt sich bedroht und in Gefahr.

    Darüber hinaus ist die Idee, dass durch den Nackengriff eine Art Lebensbedrohung suggeriert wird, ethisch und praktisch problematisch.

    Hunde kommunizieren und lernen durch Vertrauen und positive Verstärkung, nicht durch Furcht oder das Gefühl der Lebensgefahr.

    Ein Hund, der Angst vor seinem Besitzer hat, entwickelt keine gesunde Beziehung und lernt nicht effektiv.

    In der modernen Hundeerziehung wird daher stark auf positive Verstärkungsmethoden gesetzt. Diese Ansätze basieren auf dem Verstärken gewünschter Verhaltensweisen durch Belohnungen und liebevolle Zuwendung, anstatt unerwünschtes Verhalten durch körperliche Maßnahmen zu unterbinden.

    Solche Methoden fördern das Vertrauen und die Bindung zwischen Hund und Mensch und sind weitaus effektiver und humaner.

    Frau streichelt Hund Zuhause im Wohnzimmer, Zeichnung

    Kann man seinen Welpen am Nacken hochheben?

    Die Frage, ob es in Ordnung ist, einen Welpen am Nacken hochzuheben, kann mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden. Diese Methode, die oft in der Natur bei Hundemüttern beobachtet wird, ist für Menschen nicht geeignet und kann dem Welpen sogar schaden.

    Beginnen wir mit der Natur: Hundemütter tragen ihre Welpen in den ersten Lebenswochen oft am Nacken. Dieses Verhalten ist instinktiv und die Mütter wissen genau, wie sie ihren Nachwuchs ohne Schaden zu nehmen auf diese Weise transportieren können.

    Sie haben ein natürliches Gespür dafür, wie fest sie zupacken müssen, um den Welpen zu sichern, ohne ihm Schmerzen zuzufügen.

    Beim Menschen sieht die Sache jedoch ganz anders aus.

    Erstens fehlt uns das instinktive Wissen und die Präzision, die eine Hundemutter besitzt.

    Zweitens ist der Körperbau eines Menschen völlig anders als der einer Hündin, was bedeutet, dass wir nicht in der Lage sind, den Welpen auf die gleiche sanfte und sichere Art und Weise hochzuheben.

    Darüber hinaus kann das Hochheben am Nacken für den Welpen sehr stressig sein. Anders als bei der Mutter, wo es ein normales Verhalten ist, kann ein Welpe, der von einem Menschen auf diese Weise gehoben wird, Angst und Misstrauen entwickeln.

    Das ist das Gegenteil von dem, was wir erreichen wollen, wenn wir eine starke Bindung zu unserem Haustier aufbauen möchten.

    Wenn es notwendig ist, einen Welpen zu heben, ist es am besten, dies auf eine Weise zu tun, die seinen Körper unterstützt und sicherstellt, dass er sich wohl fühlt.

    Eine Hand sollte unter den Brustkorb und die andere unter den Hinterleib des Welpen gelegt werden, um das Gewicht gleichmäßig zu verteilen und den Welpen sicher zu halten.

    Diese Methode ist sicher und komfortabel für den Welpen und verhindert das Risiko von Verletzungen.

    Wie reagiert der Hund auf den Nackengriff?

    Der Nackengriff, ein Verhalten, das oft bei Hunden in ihrem natürlichen Umfeld zu beobachten ist, insbesondere zwischen Hundemüttern und ihren Welpen, wirkt sich unterschiedlich auf Hunde aus, je nachdem, in welchem Kontext er angewendet wird.

    Wenn Menschen versuchen, den Nackengriff an einem Hund anzuwenden, können die Reaktionen des Hundes unterschiedlich ausfallen, keine davon ist jedoch positiv.

    Viele Hunde empfinden es als beängstigend oder bedrohlich, am Nacken gepackt zu werden, insbesondere wenn sie dieses Verhalten nicht von klein auf als Teil ihrer Sozialisation erfahren haben – was nicht bedeuten soll, das man den Hund einfach von klein auf am Nacken packen soll!

    Ein Hund, der am Nacken gepackt wird, kann mit Angst, Verwirrung oder sogar Aggression reagieren. Das liegt daran, dass Hunde menschliche Handlungen anders interpretieren als die ihrer Artgenossen und der Griff für sie eine ungewöhnliche und bedrohliche Handlung darstellen kann, wodurch sich der Hund verteidigen will.

    Darüber hinaus hängt die Reaktion eines Hundes auf den Nackengriff auch von seiner individuellen Persönlichkeit, seinem Temperament und seinen früheren Erfahrungen ab.

    Einige Hunde reagieren vielleicht eher unterwürfig, während andere ängstlich oder aggressiv werden.

    Insbesondere Hunde, die in der Vergangenheit negative Erfahrungen mit körperlichen Bestrafungen gemacht haben, könnten besonders empfindlich und intensiv auf solche Handlungen reagieren.

    In der Natur ist der Nackengriff ein Teil der normalen Kommunikation zwischen einer Hundemutter und ihren Welpen. Eine Mutter greift ihre Welpen behutsam am Nacken, um sie zu tragen oder um sie zu disziplinieren.

    In diesem Kontext verstehen Welpen den Griff als Teil ihrer Erziehung und sozialen Entwicklung.

    Er ist eine Form der Kommunikation, die zeigt, dass die Mutter Kontrolle ausübt und den Welpen anweist, ihr Verhalten zu ändern oder zu beruhigen.

    In der Regel reagieren Welpen auf diesen Griff mit sofortiger Unterwerfung und Beruhigung, weil sie instinktiv wissen, dass es sich um ein Signal von Autorität handelt.

    Als Menschen können wir dies jedoch nicht so einfach im selben Umfang erreichen und auf den Nackengriff verzichten.

    Mann Hund Frau sitzen mit Hund auf der Couch, Zeichnung

    Schütteln ist ebenfalls keine gute Erziehungsmaßnahme

    Manchmal hört man, das man anstelle des Nackengriffs den Hund so packen soll und ihn dann schüttelt. Das würde ebenfalls einen Effekt auf die Erziehung haben.

    Die Vorstellung, einen Hund durch Schütteln zu erziehen, ist jedoch nicht nur falsch, sondern auch gefährlich.

    Dieses Vorgehen widerspricht grundlegenden Prinzipien einer verantwortungsvollen und effektiven Hundeerziehung und kann schwerwiegende physische und psychische Schäden beim Hund verursachen.

    Beginnen wir mit einem klaren Verständnis darüber, was das Nackenschütteln bei Tieren eigentlich bedeutet. In der Natur ist das Schütteln eine Handlung, die Raubtiere anwenden, um ihre Beute zu töten.

    Ein Raubtier greift die Beute am Nacken und schüttelt sie, um den Tod herbeizuführen. Dies ist ein tief verankerter Instinkt, der in der Wildnis überlebensnotwendig ist. Bei meinen Hunden kann ich auch beim Spielen mit Stofftieren immer noch beobachten, wie diese ebenfalls ganz wild hin und her geschüttelt werden um „besiegt“ zu werden.

    Für einen Hund, der dieses Verhalten von einem Menschen erfährt, kann dies als extrem bedrohlich und lebensgefährlich wahrgenommen werden.

    Es ist wichtig zu verstehen, dass Hunde sehr sensible und emotionale Tiere sind. Sie bauen ihre Beziehung zu Menschen auf Vertrauen, Verständnis und positiven Interaktionen auf.

    Wenn ein Mensch einen Hund packt und schüttelt, wird dies vom Hund als aggressiver und gefährlicher Übergriff wahrgenommen.

    Anstatt eine lehrreiche Erfahrung zu sein, führt dies zu Angst und Misstrauen gegenüber dem Menschen.

    Ein solches Vorgehen zerstört das Vertrauensverhältnis und kann langfristige psychologische Schäden beim Hund verursachen.

    Zudem kann das Schütteln eines Hundes ernsthafte körperliche Verletzungen verursachen.

    Die Halswirbelsäule, Muskeln und das Gehirn können durch das Schütteln beschädigt werden, was zu ernsthaften Gesundheitsproblemen oder sogar zum Tod führen kann.

    Daher ist das Schütteln eines Hundes nicht nur aus erzieherischer, sondern auch aus gesundheitlicher Sicht absolut inakzeptabel.

    In der modernen Hundeerziehung liegt der Fokus auf positiver Verstärkung und gewaltfreier Kommunikation.

    Durch Belohnungen für gutes Verhalten, geduldige Anleitung und das Setzen klarer Grenzen entwickeln Hunde ein Verständnis für erwünschtes Verhalten.

    Dies fördert eine gesunde und respektvolle Beziehung zwischen Hund und Halter.