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Trainingstipps für ängstliche Hunde | So überwindet ihr Ängste!

    Hund sitzt traurig in einem Wohnzimmer

    Dein Hund hat Angst und Panik. Das ist natürlich kein schönes Bild. Wie kannst du aber trotzdem mit deinem Hund trainieren, ihm die Angst nehmen und das richtige Verhalten beibringen? Genau dieses Thema schauen wir uns heute genauer an!

    Unterschied zwischen Angst und Unsicherheit

    Kennst du das Gefühl, wenn du in eine neue Stadt ziehst und alles fremd ist? Genau so geht es oft Hunden, die aus dem Tierheim oder aus dem Ausland kommen. Sie sind in ihrer neuen Umgebung und bei ihren neuen Besitzern manchmal total überfordert. Das kann zu Unsicherheiten, Ängsten oder sogar Aggressionen führen.

    Deshalb ist es mega wichtig, dass du als Hundebesitzer lernst, die Signale deines Vierbeiners zu deuten. Nur so kannst du ihn richtig unterstützen. Viele Probleme könnten vermieden werden, wenn man nur genauer hinschaut.

    Dafür müssen wir erst einmal den Unterschied zwischen Angst und Unsicherheit klären. Unsicherheit ist, wenn dein Hund in neuen Situationen eher zurückhaltend ist. Das ist ein Persönlichkeitsmerkmal und hat nichts mit Angst zu tun.

    Allerdings kann sich aus Unsicherheit durch schlechte Erfahrungen oder falschen Umgang auch Angst entwickeln.

    Ein Hund, der wirklich Angst hat, lebt in ständiger Anspannung. Stell dir vor, du denkst die ganze Zeit, dir fällt gleich der Himmel auf den Kopf – und das, obwohl gar keine reale Gefahr besteht.

    Ein ängstlicher Hund verweigert sogar Futter, selbst wenn es noch so lecker ist. In solchen Phasen ist er kaum ansprechbar und in seinem eigenen Angst-Tunnel gefangen. In diesem Zustand ist Lernen nahezu unmöglich.

    Furcht und Unsicherheit ist leichter zu behandeln als Angst. Furcht bezieht sich auf konkrete Dinge, wie eine Mülltonne, oder auf bestimmte Situationen, wie einen Tierarztbesuch.

    In solchen Fällen wird der Körper aktiviert, und Stresshormone wie Adrenalin werden freigesetzt. Diese Hormone können Lernen sogar verstärken.

    Das heißt, wenn dein Hund unter Stress eine erfolgreiche Flucht erlebt, speichert er das als ‚Erfolgsmodell‘ ab. So kann es passieren, dass er immer wieder flieht oder sogar aggressiv wird, egal wie die Situation wirklich ist.

    Deutsches Drahthaar im Wald

    Verstehe die Signale deines Hundes

    Stell dir vor, dein Hund guckt dich mit großen, ängstlichen Augen an. Der Rücken ist gerundet, die Rute hängt runter, die Ohren sind nach hinten angelegt. Das Herz wird dir schwer, oder? Du willst deinem Hund sofort helfen, ihm nahe sein.

    Aber was, wenn ich dir sage, dass das sehr häufig gar nicht das ist, was dein Hund in diesem Moment braucht?

    Wenn dein Hund so verängstigt aussieht, signalisiert er eigentlich, dass er Abstand braucht. Viele Hundebesitzer verstehen das aber falsch. Sie kommen dem Hund zu nah, wollen trösten und verursachen damit noch mehr Stress. Manche Hunde fügen sich, andere schnappen irgendwann aus Verzweiflung.

    Der Trick ist, alle menschlichen Interpretationen über Bord zu werfen und genau hinzusehen. Frag dich: Welche Signale sendet mir mein Hund gerade?

    Wenn er Abstand signalisiert, gib ihm diesen. Nähre dich nicht frontal, sondern setze dich seitlich zu ihm oder dreh ihm sogar den Rücken zu. Lass ihn entscheiden, ob und wann er zu dir kommen möchte.

    Wenn dein Hund schnüffeln möchte, lass ihn. Aber schnüffeln heißt nicht gleich, dass du ihn anfassen kannst. Er holt sich nur Informationen.

    Wenn er sich nach dem Schnüffeln wieder zurückziehen möchte, dann gib ihm weiterhin Raum. Kommt er aber näher und sucht Körperkontakt, dann ist das ein Zeichen, dass er bereit für deine Nähe ist und du ihn streicheln darfst.

    Jetzt denkst du vielleicht: Soll ich also jeden ängstlichen Hund ignorieren? Nicht unbedingt. Manche Hunde suchen in ihrer Angst die soziale Nähe und Unterstützung. Wenn dein Hund zu dir kommt, gib ihm diese Sicherheit.

    Streichle ihn langsam und mit flacher Hand im Brustbereich. Das wirkt beruhigend. Vermeide spitze Fingerbewegungen, die eher anregend als entspannend wirken.

    Und weißt du, was auch hilft? Futter – aber nicht aufdringlich. Gib deinem Hund etwas Schmackhaftes, um seine Nase zu aktivieren. Wenn er damit beschäftigt ist, den Geruch zu verarbeiten, kann er sich nicht voll und ganz auf seine Angst konzentrieren.

    Zu guter Letzt, wenn du deinem Hund soziale Unterstützung bietest, wird das Bindungshormon Oxytocin freigesetzt. Das stärkt die Bindung zwischen euch, baut Vertrauen auf und wirkt dem Stresshormon Cortisol entgegen.

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    Finde einen Trainingsansatz für deinen ängstlichen Hund

    Wenn es um ängstliche Hunde geht, ist es wichtig, dass du als ihr Mensch eine Quelle der Sicherheit und des Vertrauens wirst.

    Zunächst ist es wichtig, die Umgebung so zu gestalten, dass dein Hund sich sicher fühlen kann. Das bedeutet nicht, dass er das sofort tun wird, aber es sollte auch keine extreme Stresssituation für ihn sein.

    Du kannst dich zum Beispiel so positionieren, dass dein Hund die Möglichkeit hat, bei dir Schutz zu suchen, aber auch, sich mit dir und der Umgebung auseinanderzusetzen. Es ist völlig normal, dass ein ängstlicher Hund anfangs wenig Interesse an dir zeigt und stattdessen von seiner Außenwelt gefangen ist.

    Das Erste, was du tun solltest ist den Körper und die Atmung meines Hundes zu beobachten. Anspannung und gepresste Atmung sind klare Anzeichen dafür, dass er sich unwohl fühlt.

    Wichtig ist, auf Zeichen der Kooperation und des Kontakts zu achten. Zeigt der Hund Interesse an mir? Kann er sich auf mich einlassen? Diese Signale geben Aufschluss darüber, wie du weiter vorgehen solltest.

    Dabei ist wichtig, dass es nicht nur um physische Nähe geht. Ein Hund kann körperlich nahe sein, ohne wirklich „da“ zu sein. Er kann in seiner eigenen Welt der Befürchtungen gefangen sein.

    Daher ist es wichtig, ihm zu zeigen, dass er bei seinem Menschen sicher ist. Man verhindere zum Beispiel eine Fluchtreaktion, wenn er sich erschrickt. Das lehrt ihn, dass Flucht nicht immer die Lösung ist. Man muss den Hund auch nicht zwanghaft bei einem halten. Aber es sollte deutlich werden, dass es bei seinem Menschen sicherer ist als sonst irgendwo.

    In einer ruhigeren Situation, also dann wenn dein Hund nicht gerade fliehen will kann sanftes Kraulen, vor allem im Bereich des Halses und des Kopfes sehr beruhigend wirken.

    Diese Berührungen sprechen das zentrale Nervensystem an und können helfen, die Erregung des Hundes zu regulieren. Dies ermöglicht es dem Hund, klarer zu denken und sich besser auf die Situation einzulassen.

    Im Training geht es nicht nur darum, unerwünschtes Verhalten zu unterbinden, sondern dem Hund Alternativen zu bieten. Er muss lernen, sich bei Problemen an dich zu wenden, um Hilfe zu bitten.

    Ein gutes Mittel hierfür ist der Einsatz von Futter als Belohnung. Das baut eine positive Assoziation mit dem Training auf und fördert die Kooperation.

    Frau mit dreckigem Hund in der Stadt

    So zeigst du deinem ängstlichen Hund, dass er sich auf dich verlassen kann

    Wir schauen uns nun an, wie du deinem ängstlichen Hunde eine Alternative zu seinem sonstigen Verhalten anbietest. Er soll sich an dir orientieren und dir vertrauen, dass du für euch beide die richtige Entscheidung treffen wirst.

    • Schritt eins ist, eine Verbindung zwischen dir und deinem Hund aufzubauen, besonders in Situationen, in denen er sich unsicher fühlt. Einen Hund an der kurzen Leine zu halten, ist ein guter Anfang. Er muss wissen, dass er in deiner Nähe sicher ist.
    • Dann zeigst du ihm etwas Futter, legst es außerhalb seiner Reichweite und trittst einen Schritt zurück. Jetzt kommt der entscheidende Moment: Du wartest darauf, dass er dich anschaut. Sobald er das tut, führst du mit deiner Hand zum Futter. Das ist eine Übung in Teamarbeit, bei der ihr gemeinsam das Ziel erreicht.
    • In den ersten Versuchen kann dein Hund verschiedenste Dinge ausprobieren, wie sich ins Halsband hängen, mit den Pfoten angeln oder unruhig werden. Das ist okay, denn es zeigt, wie er mit der Situation umgeht und welche Ideen er hat. Wenn es nötig ist, kannst du ihm ein wenig helfen, aber das Ziel ist, dass er lernt, sich auf dich zu konzentrieren, statt sich nur auf das Futter zu fixieren.
    • Wichtig ist, dass du die Leine so handhabst, dass dein Hund zwar die Möglichkeit hat, sich auszuprobieren, aber letztlich auf deine Führung angewiesen ist. Dies hilft ihm, zu lernen, dass Flucht oder das Losreißen keine Optionen sind. Es ist auch okay, wenn der Hund sich hinsetzt oder eine andere Position einnimmt, solange er sich weiterhin auf dich konzentriert.
    • Je schwieriger die Übung wird, zum Beispiel wenn sich der Hund umdrehen muss, um dich anzusehen, desto mehr wird er herausgefordert, nachzudenken und zu lernen. Wenn du merkst, dass es zu schwierig wird, kannst du ihm wieder helfen.

    Diese Übungen mögen anfangs sehr speziell und konstruiert erscheinen, aber sie sind sehr effektiv, um eine starke Bindung und Kommunikation zwischen dir und deinem Hund aufzubauen.

    Dadurch lernt dein Hund, sich in schwierigen Situationen auf dich zu verlassen, anstatt zu flüchten oder panisch zu reagieren.

    Mit Geduld und Übung wirst du eine deutliche Verbesserung in seinem Verhalten und seinem Vertrauen dir gegenüber feststellen. Und so wird dein Hund in stressigen Situationen nicht direkt reißaus nehmen wollen, sondern anfangen, sich an dir zu orientieren.

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    Gehe in langsame Desensibilisierung über

    Nachdem dein Hund solche abstrakten Übungen verstanden hat und sich immer häufiger an dir orientiert, kannst du mit einer langsamen, gezielten Desensibilisierung beginnen.

    Sobald dein Hund verstanden hat, dass du sein sicherer Anker bist wird es Zeit, ihn langsam an die stressigen Situationen heranzuführen. Aber keine Sorge, das machst du Schritt für Schritt und wirfst ihn nicht gleich in die schlimmsten Situationen.

    Hat er zum Beispiel Angst vor bestimmten Gegenständen, dann habt ihr zu Beginn noch viel Abstand dazu und haltet das Training auch eher kurz. Erst wenn es Fortschritte gibt, wird der Schwierigkeitsgrad dann ganz langsam erhöht.

    Auch in diesen Momenten ist es wichtig, dass du ruhig und selbstbewusst bleibst. Dein Hund spürt, wenn du nervös oder ängstlich bist. Das ist aber das genaue Gegenteil was wir wollen.

    Wenn sich dein Hund an dir orientiert, ist es wichtig, dass du die Situation als etwas völlig normales ansiehst und keine besondere Reaktion wie Angst, Nervosität oder Stress zeigst.

    Bestrafen ist in solchen Momenten ebenfalls ein absolutes No-Go. Das zerstört nur das mühsam aufgebaute Vertrauen.

    Stattdessen setze auf positive Verstärkung. Belohne deinen Hund mit Leckerlis, Lob und allem, was er sonst mag, vor allem dann, wenn er sich in stressigen Situationen an dir orientiert. So lernt er nach und nach: „Hey, wenn etwas Gruseliges passiert, ist es bei meinem Menschen sicher.“

    Nach und nach wirst du merken: Der Lerneffekt setzt ein. Dein Hund beginnt zu verstehen, dass die Dinge, die ihn erschrecken, nicht wirklich gefährlich sind, vor allem, wenn dabei immer etwas Positives passiert.

    Dieser Prozess ist wie das Umlernen einer alten Gewohnheit und braucht Zeit und Geduld. Erwarte keine Wunder über Nacht und sei bereit für ein paar Rückschläge. Ängstliche Hunde brauchen einfach eine Weile, um alte Muster zu überwinden und neues Verhalten zu verinnerlichen.

    Aber denk dran: Jeder kleine Fortschritt ist ein großer Sieg. Mit Liebe, Geduld und den richtigen Techniken wird dein Hund lernen, der Welt mutiger gegenüberzustehen.

    Golden Retriever wird trainiert

    Praktische Tipps für die Umsetzung

    So ein Desensibilisierungs-Training klingt jetzt natürlich erst einmal kompliziert. Also schauen wir uns an zwei Beispielen einmal genauer an, wie wir das korrekt umsetzen können:

    Wichtig ist, dass du nicht die falschen Reize setzt. Wenn dein Hund zum Beispiel Angst zeigt und du ihn nur in seiner Angst beachtest, dann lernt dein Hund, dass er diese Reaktion braucht, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen.

    Wenn dein Hund plötzlich stehen bleibt und sich weigert weiterzugehen, weil er etwas Bedrohliches wahrgenommen hat, ist der erste Schritt, Ruhe zu bewahren. In solchen Fällen bringt es nicht viel, den Hund einfach weiter zu ziehen.

    Was du tun solltest, ist anzuhalten, die Leine zu lockern und deinem Hund ein paar Sekunden Zeit zu geben, um selbst zu entscheiden, ob er weitergehen möchte oder nicht. Diese kurze Pause gibt ihm die Möglichkeit, die Situation zu bewerten und zu erkennen, dass keine echte Gefahr besteht.

    Wenn dein Hund dann ein paar Schritte weitergeht, auch wenn es nur sehr wenige sind, ist das ein großer Erfolg! Lobe ihn dafür. So lernt er, dass das Weitergehen etwas Positives ist und nicht so schlimm, wie er vielleicht dachte.

    Außerdem lernt er, das tolle Sachen passieren und man noch mehr Aufmerksamkeit von Herrchen und Frauchen bekommt, wenn man seine Angst überwindet.

    Sollte dein Hund auf etwas Bestimmtes wie ein Kind reagieren, indem er blockiert, ist es wichtig, dass du nicht sofort die Flucht ergreifst. Indem du deinem Hund zeigst, dass du ruhig und gelassen bleibst, hilfst du ihm, seine Angst zu überwinden.

    Suche dir einen ruhigen Platz, wo du stehen oder sitzen kannst, und zeige Ruhe. Lockere die Leine, damit dein Hund merkt, dass ihm nichts Schlimmes passiert, und dass er sich in deiner Nähe sicher fühlen kann. Wenn er Nähe und Schutz bei dir sucht, dann gib ihm diese.

    Achte darauf, ausreichend Abstand zum Reiz zu halten, zum Beispiel in dem du an den Wegesrand ausweichst. Wenn dein Hund sich spürbar entspannt, lobe ihn oder streichle ihn, wenn er das mag.

    Wenn er plötzlich in die Leine springt, weil er sich erschreckt, halte an und warte, bis er sich wieder beruhigt. Dann kannst du weitergehen.

    Für langfristige Erfolge ist es wichtig, Routinen zu etablieren. Starte mit einer täglichen, gleichbleibenden Gassirunde, die deinem Hund Sicherheit gibt.

    Wähle eine Route, die moderate Reize bietet, aber auch ruhige Abschnitte zur Regeneration enthält. Halte die Spaziergänge anfangs kurz, etwa 20-30 Minuten, um deinen Hund nicht zu überfordern.

    Sobald dein Hund sicherer wird, kannst du allmählich neue Wege in eure Runde integrieren, um ihn neuen Reizen auszusetzen. Gönne ihm aber auch regelmäßig Auszeiten in Umgebungen, in denen er sich wohl und sicher fühlt.

    Und denk daran: Ein ängstlicher Hund kann nicht rational denken, daher braucht er dich als ruhigen Anker. Dein Hund braucht Zeit, um zu lernen, dass die Welt nicht so gruselig ist, wie er denkt.