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Wie häufig kommen Erbkrankheiten bei Hunden vor [Statistik]

    Hund wird von einer Tierärztin untersucht

    So häufig kommen Erbkrankheiten bei Hunden vor

    • Die häufigste Form der Erbkrankheit bei Hunden wird über genetische Störungen ausgelöst („Mendelsche Krankheiten“). Eine internationale Studie mit über 1.050.000 Hunden ergab, dass 57% aller Hunde eine genetische Variante haben, die mit Mendelschen Krankheiten verbunden wird.1
    • Es konnten in derselben Studie keine bedeutenden Unterschiede zwischen reinrassigen und Mischlingshunden festgestellt werden. Sowohl reinrassige Hunde als auch Mischlinge sind gleich anfällig für genetische Veränderungen.
    • Da reinrassige Hunde jedoch weniger Vielfalt an Genen innerhalb der Rasse haben, kommt es bei reinrassigen Hunden öfter zum Ausbruch einer genetisch bedingten Krankheit. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist bei Mischlingshunden ca. 1-2% geringer als bei reinrassigen Hunden.2
    • Es sind über derzeit 800 erbliche Erkrankungen bei Hunden bekannt.3
    • Nur ca. 20% aller bekannten genetischen Veränderungen sind für 98,3% der Erbkrankheiten verantwortlich4
    • Die häufigsten Erkrankungen bei Hunden sind Bandscheibenerkrankungen (11,95% aller Krankheiten), Degenerative Myelopathie (7,86%) und Cone-Rod Dystrophie (3,81%).5
    • Viele Krankheiten, die man historisch nur einer bestimmten Hunderasse zugeordnet hat, können häufig auch bei einer Vielzahl anderer Hunderassen beobachtet werden.
    • Interessanterweise gibt es auch Krankheiten, die ursprünglich bei bestimmten Rassen entdeckt wurden, aber jetzt hauptsächlich bei Mischlingshunden zu finden sind.

    Die häufigsten Erbkrankheiten bei Hunden

    Innerhalb der oben zitierten Studie wurden auch die häufigsten Erbkrankheiten bei Hunden dokumentiert. Neben dem medizinischen Ausdruck der Erkrankung findest du auch eine einfache (nicht medizinische) Erklärung, was genau man sich darunter vorstellen kann:

    KrankheitEinfache ErklärungHäufigkeit Alle HundeHäufigkeit MischlingshundeHäufigkeit Reinrassige Hunde
    Chondrodystrophie und Bandscheibenerkrankungsrisiko (CDDY)Risiko für Skeletterkrankungen und Bandscheibenprobleme.11.951 %11.353 %13.945 %
    Degenerative Myelopathie (DM)Eine progressive Nervenerkrankung, die zur Lähmung führen kann.7.858 %7.506 %9.037 %
    Cone-Rod Dystrophie (cord1-PRA/crd4)Eine Augenerkrankung, die zum Verlust des Sehvermögens führt.3.809 %3.641 %4.370 %
    Progressive Rod-Cone Degeneration (prcd-PRA)Eine Augenkrankheit, die zu Nachtblindheit und Sehverlust führt.2.923 %3.314 %1.613 %
    Bald Thigh SyndromeHaarverlust an den Oberschenkeln2.373 %2.742 %1.358 %
    Cystinurie Typ I-B (SLC7A9 p.A217T)Erkrankung, die zu Nierensteinen führen kann.1.991 %1.603 %3.291 %
    Hyperuricosuria (HUU)Eine Erkrankung, die zu hohen Harnsäurespiegeln und Blasensteinen führt.1.873 %1.841 %1.982 %
    Cystinurie Typ I-A (SLC3A1 p.I192V)Eine Form der Cystinurie, die Nierensteine verursacht.1.739 %1.372 %2.969 %
    Cystinurie Typ I-A (SLC3A1 p.S698G)Eine andere Form der Cystinurie, ebenfalls mit Nierensteinrisiko.1.516 %1.118 %2.847 %
    Dilatative Kardiomyopathie RisikofaktorEin Herzproblem, das die Herzfunktion beeinträchtigt.1.272 %1.258 %1.321 %
    Collie Eye Anomaly (CEA)Eine angeborene Augenkrankheit, die bei Collies auftritt und Sehprobleme verursachen kann.1.083 %1.141 %0.888 %
    Exercise-Induced Collapse (EIC)Eine Erkrankung, die zu Zusammenbrüchen nach intensiver Bewegung führt.0.951 %0.923 %1.046 %
    Dilatative Kardiomyopathie RisikofaktorEine Herzerkrankung, die zu einer Vergrößerung und Schwächung des Herzmuskels führt.0.947 %1.022 %0.698 %
    MDR1 (Multidrug Resistance 1) MedikamentensensibilitätEine Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Medikamenten aufgrund eines genetischen Defekts.0.926 %0.974 %0.763 %
    Verteilung der Wahrscheinlichkeit bestimmter Erbkrankheiten bei Hunden

    Die Ergebnisse der Studie in einfachen Worten erklärt

    Golden Retriever und Australian Shepherd

    In dieser Studie6 haben die Forscher die genetische Vielfalt bei Hunden gemessen, indem sie auf etwas geachtet haben, das als „SNP-basierte Heterozygotie“ bekannt ist.

    Dies bedeutet im Grunde, wie unterschiedlich die genetischen Informationen eines Hundes sind. Sie haben dies sowohl bei Rassehunden als auch bei Mischlingshunden getan.

    Die Ergebnisse zeigten, dass Rassehunde im Durchschnitt eine geringere genetische Vielfalt hatten als Mischlingshunde. Das heißt, bei Rassehunden waren die genetischen Informationen oft ähnlicher zueinander als bei Mischlingshunden.

    Daher ist es auch logisch, dass Rassehunde im Durchschnitt genetisch gesehen enger miteinander verwandt sind, was man aber auch als höheren Grad an Inzucht bezeichnen könnte.

    Um es einfacher auszudrücken: Stellen dir vor, genetische Vielfalt ist wie ein Farbtopf. Mischlingshunde haben viele verschiedene Farben in ihrem Topf, also eine breitere Palette von genetischen Informationen. Rassehunde hingegen haben weniger Farben in ihrem Topf, somit sind ihre genetischen Informationen weniger vielfältig.

    Die Forscher betrachteten Rassehunde und Mischlingshunde getrennt, um ihre Ergebnisse genauer zu analysieren. Sie haben auch detaillierte Daten über die genetische Vielfalt in verschiedenen Hunderassen gesammelt, die von einer großen Anzahl von Hunden repräsentiert wurden.

    Außerdem haben die Forscher untersucht, welche genetischen Varianten, die mit Krankheiten in Verbindung stehen, am häufigsten bei Hunden vorkommen.

    Sie fanden heraus, dass ein kleiner Anteil dieser Varianten – die 20% der häufigsten – fast alle (98,3%) der beobachteten krankheitsassoziierten genetischen Varianten in ihrer Studie ausmachten. Interessanterweise war diese Verteilung sowohl bei Mischlingshunden als auch bei reinrassigen Hunden sehr ähnlich.

    Von den 50 häufigsten Varianten bei Mischlingshunden waren nur 7 Varianten nicht auch unter den 50 häufigsten Varianten bei reinrassigen Hunden zu finden und umgekehrt. Einige der am häufigsten vorkommenden Varianten sind bereits seit längerer Zeit bekannt und kommen in vielen verschiedenen modernen Hunderassen vor.

    Interessant ist, dass einige genetische Varianten, die zuvor nur mit Krankheiten in einer einzigen Rasse oder Untergruppe in Verbindung gebracht wurden, überraschend häufig in vielen Rassen gefunden wurden.

    Beispiele hierfür sind genetische Varianten, die mit der Kahlheit am Oberschenkel bei Windhunden, Zystinurie bei Bulldogs und dilatativer Kardiomyopathie bei Dobermännern in Verbindung gebracht werden.

    Nicht jeder genetische Defekt führt gleich zu einer Erbkrankheit

    Die Studie besagt, das 57% aller Hunde defekte Gene habe. Aber nicht jeder genetische Defekt führt auch automatisch zu einer Krankheit. Um das genauer zu verstehen, müssen wir uns die Vererbung etwas genauer ansehen:

    Jeder Hund bekommt die Hälfte seiner Gene von Mama und die andere Hälfte von Papa. Diese Gene sitzen auf Chromosomen, und in jeder Zelle des Hundes gibt es von jedem Chromosom eins von Mama und eins von Papa. Bei der Vererbung gibt’s zwei wichtige Begriffe: rezessive und dominante Vererbung.

    Rezessive Vererbung ist wie ein stilles Geheimnis in den Genen. Viele Krankheiten werden so vererbt. Stell dir vor, ein Gen von Mama hat einen Fehler, aber das gleiche Gen von Papa ist okay. Dieses intakte Gen von Papa überdeckt den Fehler von Mamas Gen. Der Hund sieht gesund aus, trägt aber den Fehler in sich. Wenn so ein Hund mit einem anderen Hund Babys bekommt, der auch den gleichen Fehler in sich trägt, dann könnten etwa 25 Prozent ihrer Welpen krank werden, weil sie von beiden Eltern das fehlerhafte Gen erben.

    Dominante Vererbung ist wie ein lauter Chef in der Gen-Fabrik. Hier setzt sich das fehlerhafte Gen durch, auch wenn das andere Gen gesund ist. Wenn ein Hund so ein dominantes, fehlerhaftes Gen hat, wird er wahrscheinlich krank. Und wenn dieser Hund Nachwuchs hat, besteht eine 50-Prozent-Chance, dass das fehlerhafte Gen an seine Babys weitergegeben wird. Dann werden auch diese Babys wahrscheinlich krank.

    Konkret bedeutet das: Nicht jedes fehlerhafte Gen führt zu Krankheiten. Manche Gene müssen von beiden Elternteilen vererbt werden, um Probleme zu machen. Andere sind stärker und verursachen allein schon Probleme. Es ist wie in einer Familie, wo manche Eigenschaften stärker durchkommen als andere.

    Viele dieser Probleme lassen sich bereits bei der Zucht verhindern. Genau deshalb achten viele Zuchtverbände auch auf die Stammbäume ihrer Hunde. So wird bereits im Vorfeld vorgeschrieben und mit DNA-Tests überprüft, dass nur gesunde Hunde für die Zucht zugelassen werden. Mehr zur Hundezucht kannst du hier erfahren.

    Fröhlicher Hund vor farbigem Hintergrund

    Mischlingshunde sind nicht immer widerstandsfähiger gegenüber Erbkrankheiten

    Wir haben ja schon oft gehört, das reinrassige Hunde anfälliger für bestimmte Krankheiten sind. Und das ist auch nicht unbedingt falsch. Aber Mischlingshunde sind nicht in allen Fällen wirklich robuster als reinrassige Hunde.

    Die oben genannte Studie zeigt, dass es bei der Häufigkeit von genetischen Störungen auf die spezifische Krankheit ankommt, nicht unbedingt darauf, ob der Hund ein Mischling oder reinrassig ist.

    Manche Krankheiten, wie zum Beispiel eine bestimmte Herzerkrankung, treten häufiger bei reinrassigen Hunden auf. Andere Probleme, wie Knieprobleme, sieht man öfter bei Mischlingen.

    Spannend ist auch, dass bestimmte Hunderassen, die ähnliche Vorfahren haben, oft dieselben Krankheiten zeigen. Zum Beispiel haben einige große Hunderassen wie der Berner Sennenhund häufiger Ellbogendysplasie, eine Gelenkerkrankung. Das deutet darauf hin, dass diese Krankheit genetisch bedingt ist und von gemeinsamen Vorfahren vererbt wurde.

    Aber es gibt auch Krankheiten, die genauso oft bei Mischlings- wie bei reinrassigen Hunden vorkommen. Diese könnten schon sehr alte genetische Mutationen sein, die sich weit verbreitet haben und daher tief verwurzelt in der DNA aller Hunde sind.7 8

    Muss man Angst um seinen Hund haben?

    Diese Zahlen wirken jetzt wahrscheinlich furchteinflößend. Aber musst du jetzt Angst um deinen Vierbeiner haben?

    Die Antwort ist: Nein, das musst du natürlich nicht! Klar, es gibt viele genetische Defekte, aber die Natur hat ihre eigenen Tricks, um diese auszugleichen.

    Sie versucht, genetische Defekte so auszubalancieren, dass sie oft gar nicht zum Vorschein kommen. Das erklärt, warum Millionen von Hunden in Deutschland und anderswo ein glückliches, normales Leben führen, ohne dass ihre Besitzer je etwas von möglichen genetischen Problemen ahnen.

    Aber klar, man möchte ja immer das Beste für seinen vierbeinigen Freund. Eine einfache und nette Möglichkeit ist zum Beispiel, ihm ein bequemes, gelenkschonendes Hundebett zu kaufen. Warum? Weil wir ja gesehen haben, dass Gelenkerkrankungen ziemlich häufig vorkommen. Obwohl es, wie ich dir schon mal erklärt habe, schwer zu sagen ist, ob solche Betten tatsächlich helfen, aber schaden tun sie bestimmt nicht.

    Und dann gibt’s noch die Basics, die du sicher schon kennst: gesunde Ernährung, genügend Bewegung und regelmäßige Tierarztbesuche. Diese drei Dinge sind das A und O für die Gesundheit deines Hundes. So kannst du die Chancen auf ein langes, gesundes Hundeleben deutlich erhöhen.

    Falls du dir Sorgen über die möglichen Kosten einer Erbkrankheit machst, gibt es auch dafür eine gute Lösung: Tierkrankenversicherungen. Sie können dich im Ernstfall absichern und dir ein Stück Sorgenfreiheit geben.

    Kurzum, es gibt wirklich keinen Grund zur Panik. Mit ein wenig Fürsorge und Vorsicht kannst du dafür sorgen, dass dein Hund ein gesundes, frohes Leben führt und du keine Angst vor Erbkrankheiten haben musst.


    Quellenangabe

    1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9997962/ ↩︎
    2. https://datadryad.org/stash/dataset/doi:10.5061/dryad.tdz08kq3j ↩︎
    3. https://www.anicura.de/fuer-tierbesitzer/hund/wissensbank/erbkrankheiten-hund/ ↩︎
    4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9997962/table/pgen.1010651.t001/ ↩︎
    5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9997962/table/pgen.1010651.t001/ ↩︎
    6. https://journals.plos.org/plosgenetics/article?id=10.1371/journal.pgen.1010651 ↩︎
    7. https://cgejournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/s40575-017-0047-3 ↩︎
    8. https://www.ucdavis.edu/news/purebred-dogs-not-always-higher-risk-genetic-disorders-study-finds ↩︎