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Dein Hund wurde gebissen – Das solltest du jetzt tun

    Illustration bellender aggressiver Hund

    Wir schauen uns an, was du tun kannst wenn dein Hund gebissen wurde und welche Ansprüche du hast.

    Was tun wenn der eigene Hund gebissen wurde?

    Wenn dein treuer Vierbeiner von einem anderen Hund gebissen wurde, beginnt die Uhr zu ticken.

    Wichtig ist aber zu Beginn: Keine Panik! Ich weiß, leichter gesagt als getan, aber es ist wichtig, ruhig zu bleiben, um deinem Hund zu helfen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    Erste Schritte: Zuerst solltest du die Wunde kurz inspizieren, aber nur, wenn dein Hund es zulässt. Blutet es stark? Siehst du offensichtliche Verletzungen? Auch wenn es auf den ersten Blick nicht schlimm aussieht, ab zum Tierarzt! Besonders Bisse am Kopf, Hals, Nacken und Bauch können gefährlich sein und eine professionelle Behandlung erfordern.

    In der Tierarztpraxis: Hier wird dein Hund gründlich untersucht. Der Tierarzt wird die Wunde mit einer sterilen Lösung reinigen, um Infektionen vorzubeugen. Eine genaue Untersuchung ist wichtig, um auszuschließen, dass es Verletzungen an Nerven, Muskeln oder Knochen gibt. Bei schweren Bissen kann auch ein Ultraschall oder Röntgen nötig sein, um innere Verletzungen zu erkennen.

    Behandlung der Wunde: Je nach Zustand der Bisswunde entscheidet der Tierarzt, ob genäht werden muss. Ist die Wunde entzündet oder bereits Gewebe abgestorben, wird dieses entfernt – meist unter Narkose. Bei tiefen Wunden kann eine Wunddrainage gelegt werden, um Flüssigkeit und Bakterien abzuleiten. Kleinere, frische Wunden können oft direkt desinfiziert und anschließend genäht oder geklebt werden.

    Medikamente: In vielen Fällen wird dein Hund Antibiotika bekommen, um Infektionen zu vermeiden. Auch Schmerzmittel sind keine Seltenheit, um deinem Hund die Genesung so angenehm wie möglich zu machen.

    Nachsorge zu Hause: Ein steriler Verband schützt die Wunde. Zu Hause braucht dein Hund vor allem Ruhe und Schonung. Eine Halskrause kann verhindern, dass er an der Wunde leckt. Beobachte die Wunde regelmäßig und halte Rücksprache mit deinem Tierarzt, falls sich der Zustand verschlechtert.

    Sketch: Hund wird von Tierarzt untersucht

    Wie lange dauert es, bis ein Hundebiss verheilt ist?

    Ein wichtige Frage die man als Hundebesitzer natürlich hat: Wie lange dauert es, bis die Bisswunde wieder verheilt ist?

    Leider gibt es keine Einheitsantwort auf die Frage, wie lange es dauert, bis ein Hundebiss verheilt. Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle: die Schwere der Verletzung, die schnelle und richtige Versorgung und ob Komplikationen auftreten.

    Leichte vs. Schwere Bisswunden: Bei kleinen Bisswunden, die keine Komplikationen verursachen, sieht die Sache meist ziemlich gut aus. Innerhalb von zehn Tagen können solche Wunden abheilen. Ist die Wunde genäht worden, werden nach dieser Zeit die Fäden gezogen, es sei denn, es wurden selbstauflösende Fäden verwendet. Bei größeren oder entzündeten Bisswunden, die offen und unter Verband heilen müssen, ist Geduld gefragt. Diese benötigen deutlich mehr Zeit zur Heilung.

    Tiefere Verletzungen: Wenn der Biss tieferes Gewebe beschädigt hat, zieht sich der Heilungsprozess in die Länge. In solchen Fällen kann es mehrere Wochen dauern, bis die Verletzung vollständig verheilt ist.

    Stelle dich auf regelmäßige Tierarztbesuche ein: Eine zeitnahe und professionelle Behandlung durch den Tierarzt ist zwar teuer, aber ebenso wichtig um eine schnelle und unkomplizierte Heilung zu garantieren.

    Während der Heilungsphase solltest du die Wunde deines Hundes genau im Auge behalten. Eine abklingende Entzündung, erkennbar durch eine Rückbildung von Rötung und Schwellung sowie eine Verringerung der Wärme in der betroffenen Region, sind gute Zeichen.

    Wenn du Veränderungen wie eine Zunahme von Rötung, Schwellung, Hitze oder wenn Eiter austritt, feststellst, solltest du zeitnah den Tierarzt aufsuchen. Diese Anzeichen können auf eine Infektion oder andere Komplikationen hinweisen und erfordern weitere Behandlungen.

    Muss oder kann man den Hundebiss irgendwo melden?

    Ist der erste Schock verdaut und der Vierbeiner erstmal versorgt stellt sich meist die Frage: „Was kann man denn jetzt rechtlich alles tun?“

    Generell lässt sich sagen: In Deutschland besteht keine zwingende Pflicht, einen Hundebiss an eine öffentliche Stelle zu melden.

    Daher ist es auch schwierig generelle Zahlen zu Hundebissen in Deutschland zu finden. Die jährliche Zahl an Vorfällen wird jedoch auf ca. 28.000 Bissverletzungen geschätzt.

    Meldung bei Behörden: In den meisten Fällen, wenn ein Hund einen anderen Hund beißt, ist das Ordnungsamt nicht die richtige Anlaufstelle. Hundebisse unter Hunden fallen in der Regel nicht in deren Zuständigkeitsbereich, es sei denn, es gibt spezielle lokale Vorschriften.

    Im Gegensatz dazu, wenn ein Hund eine Person beißt, können solche Vorfälle gemeldet und dokumentiert werden. Hier wird das Ordnungsamt regelmäßig aktiv und es kann, je nach Situation, zu weiteren Maßnahmen wie einem Wesenstest kommen. Dieser dient dazu festzustellen, ob der beißende Hund als gefährlich einzustufen ist.

    Melde dich bei der Versicherung: Was du auf jeden Fall machen kannst und solltest, ist den Vorfall der Versicherung des Hundebesitzers, dessen Hund gebissen hat, zu melden.

    Dies ist besonders wichtig, wenn es um die Übernahme von Tierarztkosten oder anderen Schadensersatzforderungen geht. Die Haftpflichtversicherung des Hundehalters kann dann entscheiden, wie sie in dem spezifischen Fall vorgeht.

    Lokale Unterschiede: Pauschal lässt sich das Vorgehen jedoch schlecht darstellen, da die Handhabung solcher Vorfälle von Bundesland zu Bundesland und von Stadt zu Stadt variieren kann.

    Einige Orte haben spezielle Regeln oder führen Statistiken über Hundebisse, andere nicht.

    Hund liegt auf Straße mit Besitzer dahinter

    Kann man Anzeige erstatten nachdem der eigene Hund gebissen wurde?

    Wenn dein Hund von einem anderen Hund gebissen wurde, stehst du vielleicht vor der Frage, ob du Anzeige erstatten solltest.

    In Deutschland sind Hunde gemäß § 90a BGB rechtlich gesehen zwar keine Sachen, werden aber wie Sachen behandelt.

    Das bedeutet, dass du keine Anzeige wegen Verletzung der „persönlichen Rechte“ des Hundes stellen kannst, aber es gibt dennoch Möglichkeiten, rechtlich vorzugehen.

    Anzeige wegen Sachbeschädigung: Nach § 303 StGB kann ein Hundebiss als Sachbeschädigung angesehen werden. Wenn also dein Hund von einem anderen Hund verletzt wird, kannst du diesen Paragraphen geltend machen. Es handelt sich hierbei um ein Antragsdelikt, was bedeutet, dass du nicht nur die Polizei informieren, sondern auch einen Strafantrag stellen musst, um eine Strafverfolgung zu ermöglichen.

    Zivilrechtliche Ansprüche: Um deine zivilrechtlichen Ansprüche – wie Schadensersatz für Tierarztkosten – geltend zu machen musst du aber nicht unbedingt eine Anzeige erstatten oder den Vorfall der Polizei melden. Diese Ansprüche können unabhängig von einer strafrechtlichen Verfolgung durchgesetzt werden.

    Klartext: Auch wenn du rechtlich die Möglichkeit hast, Anzeige zu erstatten, solltest du bedenken, dass dies ein langwieriger Prozess sein kann, der oft wenig praktischen Nutzen bringt. In vielen Fällen endet es mit einer Geldstrafe für den Halter des bissigen Hundes.

    Am Ende hast du deutlich mehr Stress und Anwälte verdienen sich eine goldenes Nässchen, ohne das effektiv viel passiert.

    Wenn du zusätzlich mit dem anderen Hundebesitzer befreundet bist oder es sich um einen bekannten Hund in deiner Nachbarschaft handelt, solltest du dir außerdem darüber bewusst sein, dass die zwischenmenschliche Beziehung darunter leiden wird.

    Wer zahlt die Tierarztkosten?

    Wenn dein Hund das Pech hatte, von einem anderen Hund gebissen zu werden, ist natürlich eine der drängendsten Fragen: Wer kommt für die Tierarztkosten auf? Das deutsche Recht bietet hier klare Regelungen.

    Grundsatz der Haftung: Nach § 833 BGB haftet der Hundehalter für Schäden, die sein Hund verursacht hat. Diese Haftung gilt unabhängig davon, ob der Hundehalter zum Zeitpunkt des Vorfalls persönlich anwesend war oder nicht. Der Begriff „Hundehalter“ bezieht sich auf die Person, die für das Tier verantwortlich ist und es dauerhaft betreut.

    Aufsichtspflicht und Haftung: Neben dem Hundehalter kann auch derjenige in die Pflicht genommen werden, der zum Zeitpunkt des Vorfalls auf den Hund aufgepasst hat, also der sogenannte Hundeaufseher. Dies ist in § 834 BGB geregelt.

    Was umfasst der Schadensersatz? Der Schadensersatzanspruch beinhaltet, dass der Geschädigte so gestellt werden soll, als ob das schädigende Ereignis nicht eingetreten wäre.

    In deinem Fall bedeutet das: Die Kosten für die tierärztliche Behandlung deines Hundes sollten vom Hundehalter des angreifenden Hundes oder dessen Aufseher getragen werden.

    Wichtiges Vorgehen: Achte unbedingt darauf, nach einem solchen Vorfall die Kontaktdaten des Hundehalters oder -aufsehers zu bekommen. Viele Hundehalter haben eine Haftpflichtversicherung für ihren Hund abgeschlossen, die in solchen Fällen greift. Lass dir auch hier einen Kontakt geben.

    Versicherungspflicht: In Deutschland gibt es keine bundeseinheitliche Regelung zur Hundehaftpflichtversicherung. Einige Bundesländer, darunter Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen und Thüringen, schreiben eine solche Versicherung verpflichtend vor. In Nordrhein-Westfalen betrifft diese Pflicht Hunde einer bestimmten Größe und Gewichtsklasse. In Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz ist sie erforderlich, wenn der Hund als auffällig eingestuft wird. Sachsen-Anhalt richtet sich nach der Rassenliste.

    Daher solltest du im Falle eines Hundebisses auch immer erfragen, ob eine Haftpflichtversicherung für den angreifenden Hund besteht und dir die entsprechenden Informationen geben lassen.

    Zusammenfassend: Die Kosten für die tierärztliche Behandlung deines Hundes nach einem Biss sollten in der Regel von der Haftpflichtversicherung des Hundehalters des angreifenden Hundes übernommen werden.

    Solltest du selbst noch keine Haftplfichtversicherung für deinen Hund haben, solltest du dringend darüber nachdenken eine abzuschließen, um abgesichert zu sein, wenn dein Hund einmal der Zubeißende ist!

    Sonderregelung: Mitverschulden am Hundebiss

    Wenn es um die Frage des Mitverschuldens bei einem Hundebiss geht, betreten wir ein komplexes rechtliches Terrain. Wie bereits erwähnt haftet gemäß § 833 BGB der Hundehalter grundsätzlich verschuldensunabhängig für Schäden, die sein Hund verursacht. Aber es gibt dennoch die Sonderregel des Mitverschuldens zu beachten.

    Mitverschulden und dessen Auswirkungen: Gegnerische Hundehaftpflichtversicherungen neigen dazu, den Schadensersatz zu kürzen, indem sie auf das Mitverschulden des verletzten Hundes oder dessen Halters hinweisen. Das bedeutet, die „Tiergefahr“ des eigenen Hundes wird berücksichtigt – dass auch dieser sich wie ein Tier verhalten und beispielsweise zur Verteidigung angesetzt oder gebellt hat. In der Praxis führt dies oft zu einer Haftungsquotelung, bei der man nur 50% der Tierarztkosten vom Gegner erstattet bekommt.

    Ausnahmen von der Regel: Es gibt jedoch Szenarien, in denen die Tiergefahr des eigenen Hundes nicht als Mitverschulden gewertet wird. Wenn beispielsweise der eigene Hund bewusstlos war oder wenn ein signifikanter Unterschied in Größe und Aggressivität der beteiligten Hunde besteht, kann ein geringeres oder kein Mitverschulden angenommen werden. Diese Fälle sind jedoch ehe selten.

    Praxisbeispiel: Stell dir vor, dein Hund läuft unangeleint in einem Park und wird von einem anderen Hund gebissen. In einem solchen Fall könnte dir ein Mitverschulden vorgeworfen werden, da dein Hund ohne Leine nicht kontrollierbar war. Dies gilt unabhängig davon, wie sich der andere Hund verhalten hat und wie gut dein Hund eigentlich hört oder sich sonst immer brav verhält.

    Aus diesem Grund macht es durchaus Sinn, auch vorsorglich eine Krankenversicherung für Hunde abzuschließen, um im Fall der Fälle finanziell abgesichert zu sein und nicht auf den Tierarztkosten sitzen zu bleiben.